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Festrede:
“150 Jahre DOG: danken – gedenken – Gedanken“ English
Prof. Dr. Jens Martin Rohrbach (Tübingen)
Lieber Präsident Gernot Duncker,
Präsidenten der internationalen Fachgesellschaften,
sehr verehrte Damen und Herren,
Mitte 1856 schrieb Albrecht von Graefe an seinen Freund und Schüler Adolf Weber: „Ich habe daran gedacht, ob es nicht zu verwirklichen wäre, dass gewisse eifrige Jünger der Ophthalmologie sich alljährlich an einem schönen Punkte, z.B. Heidelberg, träfen und einige Zeit des Beisammenseins, z.T. in wissenschaftlichen Bestrebungen und Mitteilungen, z.T. in harmloser Muße verbrächten“. Graefe hatte sich 1851 mit Frans Cornelis Donders angefreundet. Da Donders des öfteren gen Süden reiste, beschloss man, sich auf dem Wege zu treffen. So fiel die Wahl eher zufällig auf Heidelberg.
12 ophthalmologische Freunde trafen sich dort vom 3. bis zum 5. September 1857. Es wurden 12 Vorträge gehalten, 4 davon durch von Graefe selbst. Doch damit nicht genug: Noch unter dem Eindruck der 1. Tagung schrieb Albrecht von Graefe in einem Brief: „Nach Würzburg kamen zwei reizende Tage in Heidelberg. Es war während des Mittagessens im Garten des alten Schlosses wirklich rührend, die alten Gesichter successive auftauchen zu sehen, voller Leben, voller Freude an diesem Beisammensein, voll von jugendlichem Frohsinn. Dass wir nicht bloss Ophthalmologie getrieben, bedarf wohl keiner Erwähnung. Es ist auch wacker gekneipt worden, und selbst der gute Arlt bekam schließlich etwas Burschikoses, als der Leistenwein von Neckarsteinach und deutsche Lider allmählich die Scene änderten. … Ich schlief in der Nacht sehr schwer – kein Wunder nach dem vielen Wein und Randal und wurde von dem versammelten Kongress zur letzten Sitzung geweckt 2.“
Dieses war die Geburtsstunde der „Ophthalmologischen Gesellschaft“, der ersten fachärztlichen Gesellschaft im Deutschen Reich und der ersten augenärztlichen Gesellschaft weltweit. Da der Ruhm Albrecht von Graefes weit über die Reichsgrenzen hinausging, es zu dieser Zeit noch keine anderen augenärztlichen Vereinigungen gab und man eine rein nationale Wissenschaft auch gar nicht für vorstellbar hielt, war die „Ophthalmologische Gesellschaft“ von Beginn an international. Der Anteil der ausländischen Mitglieder betrug im Jahr der ersten Mitgliederzählung 1864 41% . In einigen Jahren gab es mehr aus- als inländische Mitglieder. Die heutige Internationalität der DOG hat lange Tradition!
Schon bald regte sich bei der größer werdenden Zahl der Kongressteilnehmer der Wunsch, den bisher lockeren Treffen eine Form zu geben. Und so beschloss man am 5. September 1863, sich zu konstituieren. Die von Albrecht von Graefe entwickelten Statuten umfassten 4 Paragraphen. Der historischen Wahrheit wegen sei gesagt, dass die DOG-Verantwortlichen bis 1940 alle Jubiläumsfeiern am formalen Gründungsdatum von 1863 ausgerichtet haben 3. Erst nach dem 2. Weltkrieg ging man dazu über, den Geburtstag unserer Gesellschaft auf das Jahr 1857 zu datieren. 1871 kam es zu einer Satzungsänderung, erst 1903 zum Erwerb der Rechtsfähigkeit durch Eintrag in das Vereinsregister von Heidelberg. 1920 schließlich bekam die „Ophthalmologische Gesellschaft Heidelberg“, wie sie seit 1875 hieß, ihren heutigen Namen „Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft“. 1922 fand der DOG-Kongress erstmals nicht in Heidelberg, sondern in Jena statt.
Meine Damen und Herren, Dank unserer ophthalmologischen Geschichtsschreiber verfügt keine andere Fachdisziplin über so genaue historische Kenntnisse wie unsere Augenheilkunde. Ich nenne nur Namen wie Albert Esser, Wolfgang Münchow und insbesondere den Graefe-Schüler Julius Hirschberg aus Berlin mit seinem epochalen Werk über die Geschichte der Augenheilkunde. Albrecht von Graefe war im Übrigen selbst ophthalmohistorisch interessiert.
Entscheidend für die Entwicklung der noch unselbständigen Augenheilkunde war die Vorstellung des Augenspiegels 1851 durch Hermann von Helmholtz, der nach Albrecht von Graefes Worten die Tür zu einer neuen Welt, d. h. zum Fundus, aufstieß. Helmholtz wurde dafür 1886 als erster mit der Graefe-Medaille ausgezeichnet.
Die mit der Anwendung des Funduskops explodierende Zahl von neuen Befunden zwang zur Spezialisierung. Überwiegend private Augenkliniken entstanden. Die Erkenntnisse mussten transportiert werden. Albrecht von Graefe gab daher 1854 und damit schon 3 Jahre vor der ersten Zusammenkunft in Heidelberg den ersten Band des Archivs für Augenheilkunde heraus, das nach seinem Tod ab 1871 „Graefes Archiv für Ophthalmologie“ hieß und das älteste ophthalmologische Journal der Welt ist.
Es fehlte die Schaffung ophthalmologischer Lehrstühle, die Etablierung der Augenheilkunde als medizinisches Prüfungsfach und der Bau universitärer Augenkliniken. Hierfür sollte sich Graefes Lieblingsschüler Julius Jacobson aus Königsberg engagieren. In seiner Streitschrift von 1868 „Die Augenheilkunde an Preußischen Universitäten – ein Nothstand im Cultus“, welche er den Parteiführern im Preußischen Landtag und dem zuständigen Minister zukommen ließ, führte er unter anderem aus:
“Klinik und Poliklinik müssen gleichzeitig neben einander bestehen und sich gegenseitig ergänzen. Jede für sich allein erzieht Stümper und Halbwisser, nicht tüchtige Praktiker und wissenschaftlich gebildete Ophthalmologen“. Und weiter:
“Sollte meine Darstellung der allgemeinen Unterrichts-Übelstände nicht klar und beweisend genug sein, um endlich durchgreifende Änderungen zu bewirken, so werde ich meinerseits nicht ermüden, die Unhaltbarkeit der jetzigen Verhältnisse durch genaues Eingehen auf das Detail auch dem blödesten Auge sichtbar zu machen“.
Jacobsons Bissigkeit war im übrigen verständlich: seine Poliklinik bestand zu jener Zeit aus zwei Räumen im Bereich der Leichenhalle des Pathologischen Institutes, und bei größerem Andrang mussten Patienten längere Zeit im Freien bei Wind und Wetter auf Einlass warten 4.
Jacobsons Engagement brachte Erfolg. In Preußen wurde die Augenheilkunde 1869 Prüfungsfach, und nach der Reichsgründung 1871 bekamen die seinerzeit existierenden medizinischen Fakultäten in ganz Deutschland bis 1882 ein Ordinariat für Augenheilkunde. Der darauf folgende Bau der ersten, neuen Universitäts-Augenkliniken war im Wesentlichen bis 1910 abgeschlossen.
Angesichts einer zunehmenden Entstaatlichung der Medizin sind wir heute wieder auf dem Weg zu jenen Verhältnissen, wie sie zur Zeit Albrecht von Graefes schon mal da waren.
Meine Damen und Herren,
in den letzten 150 Jahren sind gewaltige Fortschritte erzielt worden, an denen die DOG maßgeblich beteiligt war. Fortschritte traten vor allem dort ein, wo die Ophthalmologie mit anderen Disziplinen - besonders Bakteriologie, Pathologie und Medizintechnik - zusammengearbeitet hat. Spaltlampe und Operationsmikroskop, verbunden mit den Namen Gullstrand und Harms, veränderten die Arbeit des Ophthalmologen nachhaltig.
Bestimmte, insbesondere vitreoretinale Eingriffe waren noch vor 40 Jahren undenkbar. Implantate sowie Hilfs- und Ersatzstoffe für intraokulare Operationen haben eine sehr weite Verbreitung erfahren und die Prozeduren erfolgreicher, vor allem aber auch sicherer gemacht. Hochpotente Medikamente verdrängten bestimmte Therapieformen, wie z. B. die Lichttherapie bei entzündlichen Augenerkrankungen, und sorgten mit dafür, dass sich das ophthalmologische Krankheitsspektrum grundlegend gewandelt hat.
Manche ophthalmologische Großtat wie zum Beispiel die Credé’sche Prophylaxe, die ab 1880 Abertausende von Kindern vor Erblindung bewahrte, ist darüber in Vergessenheit geraten. Danken wir an dieser Stelle den Medizinern, die wesentlich zum ophthalmologischen Fortschritt beitrugen ohne selbst Augenärzte gewesen zu sein, wie eben Carl Sigmund Franz Credé, der Gynäkologe und Geburtshelfer war.
Zur Verdeutlichung des enormen Fortschrittes nur 3 Beispiele: Gab es im Jahre 1900 praktisch keine Behandlungsmöglichkeit für die Netzhautablösung, so kann heute bei mehr als 90% der Patienten eine Wiederanlage der Retina erreicht werden. Und starben um 1900 90% aller Kinder mit Retinoblastom, so liegt die Retinoblastom-bedingte Mortalität heute unter 5%. Für die Universitäts-Augenklinik Tübingen und ihr Einzugsgebiet lässt sich nachweisen, dass die Zahl der Kataraktoperationen von 1900 bis 2000 um sage und schreibe das 80-fache zugenommen hat. Dieses natürlich nicht allein wegen der demographischen Entwicklung, sondern vor allem auch wegen der enormen Qualitätssteigerung. Für diese Erfolge sollten wir sehr dankbar sein.
Aber diese Erfolge haben auch Opfer verlangt, die wir allzu leicht vergessen. Mit Heinrich Böll ist die Geschichte des Fortschritts die Geschichte der Undankbarkeit. Die Nachgeborenen übernehmen und genießen gedankenlos Vorteile, ohne an den Preis zu denken, der für sie gezahlt worden ist. Und wir haben auch zu realisieren, dass wir in den letzten 150 Jahren bei bestimmten Krankheitsbildern wie der Retinitis pigmentosa so gut wie keine therapeutischen Fortschritte gemacht haben.
Der Anteil der Lehrbücher am ophthalmologischen Fortschritt kann nicht genug betont werden. Von den zahlreichen, großartigen Werken seien hier nur erwähnt das Handbuch der gesamten Augenheilkunde von Alfred Graefe, dem Vetter Albrechts, und Theodor Saemisch, das morphologisch orientierte Lehrbuch von Ernst Fuchs und das immer noch modern anmutende Lehrbuch von Paul Römer, welcher der Jugend in ganz besonderer Weise zugetan war. Von den heutigen Lehrbüchern besitzt nur noch „der Grehn“ eine längere Tradition.
Von den zahlreichen Atlanten seien der Atlas der äußeren Augenkrankheiten von Richard Greeff von 1909, der Atlas der Kriegsaugenheilkunde Aurel von Szilys von 1918 sowie der Atlas der Spaltlampenmikroskopie von Alfred Vogt, erste Auflage 1921, herausgegriffen.
Auf die Gründung des primär für die forschenden Augenärzte gedachten Graefeschen Archivs für Ophthalmologie im Jahre 1854 wurde bereits hingewiesen. 1863 kamen die „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“ hinzu, welche sich vor allem an die praktischen Augenärzte wenden und dafür Sorge tragen sollten, neue Forschungsergebnisse möglichst zügig in den augenärztlichen Alltag zu übertragen.
Die „Monatsblätter“ sollten aber auch die Tagungsberichte der DOG veröffentlichen. Sie taten dieses von 1863 bis 1895. Ab 1896 gab es die „Berichte der Ophthalmologischen Gesellschaft“, die später zu den „Fortschritten der Ophthalmologie“ wurden und heute „Der Ophthalmologe“ sind. Sowohl das Graefesche Archiv und „Der Ophthalmologe“ als auch die „Klinischen Monatsblätter“ sind heute, historisch korrekt, offizielle Publikationsorgane der DOG.
Das „Zentralblatt für praktische Augenheilkunde“ wurde 1877 von Julius Hirschberg herausgegeben und 1996 eingestellt. Nicht alles kann erhalten werden, und ich höre immer wieder, dass sich unsere alten deutschen Fachzeitschriften überlebt hätten. Ich teile diese Einschätzung nicht. Unsere alten, deutschen Journale sind ophthalmologisches Kulturgut, dessen Erhaltung uns am Herzen liegen sollte. Impact-Faktoren hin oder her!
Die „Zeitschrift für Augenheilkunde“ wurde 1899 durch Hermann Kuhnt und Julius von Michel gegründet. Da die Familie Karger jüdischer Herkunft war, emigrierte der Verlag nach Basel, wo die Zeitschrift von 1938 an als „Ophthalmologica“ bis zum heutigen Tage fortgeführt wird.
Meine Damen und Herren, im Jahre 1934 waren etwa 11% aller DOG-Mitglieder jüdischer Herkunft. Ihre Identifizierung ist durch den Abgleich der DOG-Mitgliederlisten mit dem Reichsarztregister möglich geworden. Das weitere Schicksal kann teilweise durch Anfrage in der Datenbank der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem aufgeklärt werden. Wir können heute davon ausgehen, dass die jüdischen Mitglieder die DOG-Tagungen von 1936, 38 und 40 praktisch nicht mehr besuchten, und dass sie bis 1940 zu 80% „freiwillig“, wie es in den DOG-Berichten hieß, austraten. Natürlich ist diese Freiwilligkeit aus heutiger Sicht mit einem großen Fragezeichen zu versehen.
Zum 30.09.1938 wurde den jüdischen Kollegen die Approbation entzogen. Viel Schlimmeres folgte. Vorbildhaft hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde ihre NS-Verstrickung vom Freiburger Medizinhistoriker Seidler untersuchen lassen und sich in einem Festakt 1998 zu ihrer Mitverantwortung bekannt. Ich möchte im Folgenden an einige bekannte und vor allem auch weniger bekannte jüdische DOG-Mitglieder erinnern 5. Sie stehen hier stellvertretend für alle während der NS-Zeit verfolgten Kolleginnen und Kollegen.
Rudolf Aron, zuletzt Augenarzt in Breslau. 1937 Emigration in die USA, 1941 Aberkennung des Doktortitels durch die Universität Bonn.
Karl Wolfgang Ascher, außerordentlicher Professor für Augenheilkunde in Prag, Beschreiber unter anderem der Kammerwasservenen und des Ascher-Ringes der Hornhaut. Flucht 1939 nach England, von dort im gleichen Jahr Übersiedelung in die USA.
Alfred Bielschowsky, ab 1923 Ordinarius für Augenheilkunde in Breslau, Mitbegründer der Blindenstudienanstalt in Marburg, Beschreiber des Kopfneigetestes zur Diagnose der Trochlearisparese. 1934 Zwangsemeritierung, 1935 Relegation von der Schriftleitung des Graefeschen Archivs für Ophthalmologie und Emigration in die USA.
Oskar Fehr, ab 1906 Leiter der Augenabteilung am Rudolf-Virchow-Krankenhaus in Berlin. Erstbeschreiber der makulären Hornhautdystrophie und der endemischen Schwimmbadkonjunktivitis. 1934 zwangsweise Entbindung von seinem Amt. 1939 Emigration nach England.
Josef Igersheimer, ab 1925 Chefarzt für Ophthalmologie in Frankfurt am Main. 1933 Aberkennung der Lehrbefugnis und Emigration durch Annahme eines Rufes an die Universität Istanbul. 1939 Übersiedelung in die USA.
Rudolf Paderstein, Augenarzt in Berlin. Herausgeber der Sitzungsberichte der Berliner Ophthalmologischen Gesellschaft in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ von 1903 bis 1934. Schicksal nach 1934 unbekannt.
Ernst Rahlson, Augenarzt in Frankenthal / Pfalz, auf dem Bild als Lazarettarzt im Jahre 1916. 1938 Verlust der Approbation. Im gleichen Jahr noch Besuch der 52. Tagung der DOG in Heidelberg. Damit war Rahlson höchstwahrscheinlich das letzte jüdische Mitglied, das eine DOG-Tagung während der NS-Zeit besuchte. Im Januar 1944 Deportation in das KZ Theresienstadt, wo er schon 6 Tage später starb.
Aurel von Szily. Ab 1924 Ordinarius für Augenheilkunde in Münster. 1935 zwangsweise beurlaubt, 1937 emeritiert. Im gleichen Jahr Relegation von der Schriftleitung der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“. 1939 Emigration in seine Geburtsstadt Budapest.
Wir müssen heute davon ausgehen, dass in der Zeit von 1933 bis 1945 etwa 60 jüdische DOG-Mitglieder ihre Existenz in Praxis oder Klinik verloren, dass circa 50% aller jüdischen DOG-Mitglieder emigrierten und dass ungefähr 15 jüdische DOG-Mitglieder, wie Friedrich Pincus, in den KZ ums Leben kamen. Ihrer zu gedenken ist mir an dieser Stelle ein ganz besonderes Anliegen.
Meine Damen und Herren, in 150 Jahren DOG gab es wiederholt Zeiten der Widrigkeiten und der Not. Vor allem die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts führten zum Ausfall von Tagungen und hatten zum Teil sehr starke Auswirkungen auf den ophthalmologischen Alltag. DOG-Mitglieder starben an den Fronten, nach heutigem Kenntnisstand im ersten Weltkrieg deutlich mehr als im zweiten.
Neben den Kriegen selbst warfen auch Kriegsfolgen wie Inflation, Weltwirtschaftskrise und, nach 1918, internationale Boykottmaßnahmen die deutsche Augenheilkunde, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts noch führend in der Welt war, um viele Jahre zurück. Theodor Axenfeld schrieb 1926:
„Nur wer mit der Gedankenarbeit seines Faches in fortgesetzter Verbindung bleibt ... wird sein klinisches Urteil vertiefen und in vollem Maß den Trieb zur Fortbildung und die Freude am Fortschritt sich bewahren und damit das unentbehrliche Gegengewicht haben gegen die rein technische Einstellung und die Absorption durch die wirtschaftliche Not des Tages, die gerade heute in übermäßigem Grade die Gedanken zu verbrauchen droht 6.“ Fürwahr, ein moderner Satz!
Unsere gegenwärtigen, vorwiegend ökonomischen Probleme sind, gemessen an dem, was Ophthalmologen früherer Generationen zum Teil durchmachen mussten und was die Situation in sehr vielen anderen Ländern der Welt angeht, sehr relativ. Dessen sollten wir uns bei allen Sorgen bewusst sein!
Auch in Notzeiten war man im Übrigen stets um eine möglichst gute Augenheilkunde bemüht, und die Forschung brachte einige beachtliche Neuentwicklungen hervor. Vergessen wir nicht, dass manch gute Idee, die heute als neu propagiert wird, schon unsere ophthalmologischen Vorfahren in ähnlicher Weise bewegt hat. Das Lesen der alten Bände unserer Fachzeitschriften kann also auch heute noch gewinnbringend sein.
Der medizinische Fortschritt ist nicht gänzlich problemfrei. Wir stoßen immer öfter an ökonomische Grenzen, und die Innovation scheint momentan der kritischen Evaluation davonzulaufen, was gefährlich werden könnte. Zunehmend mehr ist machbar, und die Grenze zwischen sinnvoller therapeutischer Zurückhaltung und gut gemeintem „Never give up“ ist immer schwieriger zu ziehen.
Bedenken wir auch, dass die Zufriedenheit der Patienten nicht nur von unserer immer besser werdenden Arbeit, sondern auch von der immer weiter steigenden Erwartungshaltung abhängt, und dass es daher keineswegs ausgemacht ist, dass der heutige Patient zufriedener ist als jener von vor 20 oder gar von vor 150 Jahren. Hüten wir uns vor der stets latenten Gefahr, größere Erwartungen zu wecken als erfüllbar sind, denn dieses kann uns unsere Glaubwürdigkeit kosten.
Meine Damen und Herren, die DOG hat ihr Selbstverständnis seit ihrer Gründung aus der wissenschaftlichen Arbeit bezogen. 1963 formulierte der jüdische Emigrant Karl Wolfgang Ascher in einem Gedicht dazu 7:
„Meistens liest man da und dort
den bescheidenen Fallreport.
Mehr Belehrung bringt der Mann,
der zusammenfassen kann.
Dem, der neue Wege bahnt,
die kein anderer geahnt,
dem der Höhenflug gelang -
den bewundern wir mit Dank.
1896 hatte Theodor Leber aber schon festgestellt, dass Fortschritt nur durch den Verbund von genauer klinischer Beobachtung, also auch Kasuistik, die ich für wichtig halte 8, pathologisch-anatomischer Untersuchung sowie experimenteller Laborarbeit, also Grundlagenforschung, zu verwirklichen ist. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Meines Wissens ist innerhalb der DOG niemals eine Diskussion darüber geführt worden, was Forschung eigentlich genau bedeutet, welchen Zweck sie verfolgen und welche Richtungen sie nehmen soll. (Dank der Aktivitäten von Herrn Pfeiffer zeichnen sich diesbezüglich allerdings Änderungen ab.) Unbeschadet der Notwendigkeit von zweckfreier Forschung muss sich der heutige Forscher als Treuhänder knapper Steuergelder die Frage gefallen lassen, wozu eine Fliege, eine tote noch dazu, eine Brille benötigt 9. Der Trend wird, soviel scheint sicher, zu immer weiterer Miniaturisierung und Eindringen in das menschliche Genom gehen. Dabei wird es ganz wesentlich darauf ankommen, dass sich die Forschung nicht im Detail verliert, es vielmehr immer auch Forscher gibt, die aus der Fülle von Einzelbefunden übergreifende Konzepte abzuleiten vermögen.
Angesichts teilweise überragender Forschungserfolge hat sich Enthusiasmus breit gemacht, und jedes Problem scheint lösbar geworden zu sein, wenn der Forschung nur entsprechende Mittel zur Verfügung gestellt würden. Die theoretische Frage nach den biologischen Grenzen, die auch mit noch soviel Forschung unüberwindbar sind, ist bisher nie adressiert worden. Dabei müssen auch für den in Gene, Proteine und Moleküle zerlegten Menschen und sein Auge zumindest ganz am Ende die Gesetze der Quantenphysik mit ihren Begrenzungen gelten 10.
Forschung braucht Freiheit 11. Zu viele Verordnungen und Gesetze, so gut sie auch gemeint sein mögen, verbrauchen Zeit und Gedanken des Forschers. Wenn Affen und dann vielleicht auch noch Kaninchen, Mäuse und Fliegen zu Menschen erklärt werden, wird es für die Forschung schwierig werden 12.
Forschung braucht vor allem auch Verantwortung 11, sowohl vom Einzelnen, als auch von Berufungskommissionen, Fakultäten und wissenschaftlichen Vereinigungen. Die zunehmende Neigung, Wissenschaft im Sinne einer Scientiometrie pseudo-objektiv messbar zu machen, hat die Wissenschaft verändert, und das nicht nur zu ihrem Vorteil 13. Es bleibt heute nur allzu leicht unberücksichtigt, was Albert Einstein einmal sagte:
“Nicht alles was zählt ist zählbar, und nicht alles was zählbar ist zählt“.
Und je mehr Impact-Factoren und Drittmittel über das Wohl von Laboratorien, ja ganzen Kliniken, und über akademische Karrieren entscheiden, um so mehr steigt – und ich sage das hier ganz allgemein und keineswegs mit Blick auf die Augenheilkunde allein – die Versuchung, sich auf nicht ganz lautere Art persönliche Vorteile zu verschaffen 14.
Meine Damen und Herren, die DOG wird auch den Stürmen, die unvermeidlich kommen werden, trotzen. Ihr Gesicht wird sich allerdings ändern, es wird feminin werden. Lange war die DOG eine reine Männergesellschaft, und zur Einsendung von Manuskripten wurden 1870 selbstverständlich nur „die Herren“ aufgefordert. Die erste Frau nahm 1881 an einem DOG-Kongress teil, das erste weibliche Mitglied wurde 1911 – mehr als 50 Jahre nach der Gründung – aufgenommen. Erst ab 1920 wurde die Aufnahme von Frauen so etwas wie Routine. Dennoch waren bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges nur etwa 3% der DOG-Mitglieder weiblichen Geschlechts. Die erste Präsidentin war Gabriele Lang bei der 100. Tagung vor 5 Jahren. In 1 bis 2 Jahrzehnten wird die DOG-Präsidentin voraussichtlich eher die Regel als die Ausnahme sein.
Ich komme noch einmal auf den Medizinhistoriker und Augenarzt Albert Esser zurück. Dieser schrieb 1957 zum 100. Geburtstag der DOG 2:
“Hundert Jahre – und ich sage heute 150 Jahre – können in der Geschichte einer Wissenschaft wenig und viel bedeuten: wenig, wenn sie als Zeiten überkommener oder erschlaffter Geisteshaltung, veralteter Ideen, überlebter Methoden oder unfruchtbarer Arbeit dahingehen; viel, wenn sie von energiereichen Spannungen, großen Konzeptionen, geistiger Originalität, energischem Wollen, unermüdlichem Fleiß und erfolgreicher Tätigkeit getragen und genährt sind. 150 Jahre DOG sind in diesem Sinne sehr, sehr viel! Sie sind vor allem auch ein Spiegel unserer deutschen Geschichte.
Ich schließe mit Michael, einem mir unbekannten Jungen. Seine Gedanken zum 200. Jahrestag der Kolonisierung Australiens gelten, leicht abgewandelt, auch für unsere alte und gleichsam junge Dame DOG:
Wir wünschen Dir, DOG, dass du als Band aller Augenärzte weiterhin zu Forschung und Erkenntnisgewinn zum Nutzen der Bevölkerung weltweit beiträgst, vor allem aber, dass Du eine glückliche Gesellschaft bleiben mögest.
Ich danke Ihnen 15.“
1 Die nachfolgende Schriftversion ist mit der gehaltenen Rede identisch. Es wurden lediglich einige Fußnoten eingefügt, um Formulierungen, die sich nicht selbst erklären, zu verdeutlichen, und um auf einzelne Publikationen, die bei der Abfassung der Rede eine wichtige Rolle spielten, hinzuweisen.
12 Albert Esser: Geschichte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft. Zur ersten Säkularfeier im Auftrage der Gesellschaft geschrieben von Albert Esser. JF Bergmann, München, 1957
3 vgl. z.B. Offene Correspondenz. Heidelberg. Die XIX. Versammlung der Ophthalmologischen Gesellschaft. In Klin Monatsbl Augenheilkd 1887;25:401-403 oder Ernst Hertel: Eröffnungsrede. In August Wagenmann: Bericht über die neunundvierzigste Zusammenkunft der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft in Leipzig 1932. JF Bergmann, München, 1932, 1-2
4 vgl. „Augenzeugenbericht“ Arthur von Hippels in Julius Hirschberg: Geschichte der Augenheilkunde / Die Reform der Augenheilkunde, Teil 2. Springer Verlag, Berlin, 1918, 91-92
5 Eine Zusammenstellung aller bisher bekannten jüdischen DOG-Mitglieder von 1934 (entsprechend etwa 50% aller seinerzeitigen DOG-Mitglieder jüdischer Herkunft) findet sich bei J.M. Rohrbach in „Augenheilkunde im Nationalsozialismus“ (Schattauer, Stuttgart, 2007) oder in „Die DOG im Dritten Reich (1933-1945)“ (In „Visus und Visionen, 150 Jahre DOG“. Festschrift zur 105. Tagung. Biermann, Köln, 2007, 35-62).
6 Theodor Axenfeld: 25 Jahre Schriftleitung der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde“. Klin Monatsbl Augenheilkd 1926;76:3-14
7 Gedicht „Herman Burian zu seinem Vortrag in der American Ophthalmological Society“. In K.W.Ascher: „Aus sechs Jahrzehnten“. Europäischer Verlag Wien, 1963, p 38.
8 vgl. auch L.A.Levin, N.Bressler: The case report. When small is beautiful. Arch Ophthalmol 1996;114:1413
9 Die Formulierung bezog sich auf eine Abbildung, die eine mittels ultrapräzisem Laser hergestellte, im Durchmesser 2 mm große Brille auf einer konservierten (toten) Stubenfliege zeigt (www.research-in-Germany.de). Die Abbildung diente als Sinnbild dafür, dass Forschung nicht immer direkt nutzbringend, ja mitunter abwegig ist, und dass in den letzten 150 Jahren manche einst wichtigen Forschungsfelder in den Hintergrund traten während andere, neue vordergründig wurden.
10 vgl. F.W. Schmahl, C.F. von Weizsäcker: Moderne Physik und Grundfragen der Medizin. Deutsch Ärztebl 2000;97:B-139-141
11 Betont werden sollte das „Prinzip von Freiheit und Verantwortung“. Die Freiheit des Einzelnen ist in allen Lebensbereichen in der Regel um so größer, je verantwortungsbewusster diese Freiheit für die Interessen der Allgemeinheit eingesetzt wird.
12 Adressiert wurde hier ein Plakat, welches der Redner im Juni 2007 auf dem Universitäts-Campus in Wien sah. Auf diesem Plakat „Personenrecht für Menschenaffen“ wurde zu einer Diskussions-Veranstaltung darüber eingeladen, ob der Schimpanse „Hiasl“ in einem Sachwaltschaftsprozess zur Person „Mathias Pan“ erklärt werden sollte.
13 vgl. H.Brown: How impact factors changed medical publishing – and science. BMJ 2007;334:561-564
14 vgl. B.C.Martinson, M.S.Anderson, R. de Vries: Scientists behaving badly. Nature 2005;435:737-738
15 Dank auch an das Universitäts-Klinikum sowie die Kolleginnen und Kollegen von der Universitäts-Augenklinik Tübingen für zeitliche Entlastungen und Freistellungen des Redners, ohne welche die Untersuchungen im Bundesarchiv Berlin und die Präparation der Rede kaum möglich gewesen wären.

Festrede "Vision DOG"
Prof. Dr. Anselm Kampik, München, Generalsekretär der DOG
Lieber Herr Präsident,
verehrte Festversammlung,
150 Jahre DOG - Gerade eben haben wir die Historie, das Gedenken an und die Gedanken zur wechselvollen Geschichte der DOG gehört. Wir sind einerseits betroffen, wie sehr die Politik die Anliegen der DOG zeitweilig unterwandert hat. Wir können andererseits aber auch mit Stolz und Begeisterung darauf blicken, in welchem Ausmaß Mitglieder der DOG die Augenheilkunde, national und international betrachtet, regelrecht geprägt und mitbestimmt haben, man könnte sogar sagen, die Augenheilkunde erfunden haben.
Es waren 150 Jahre der unaufhörlich neu realisierten Visionen für die Augenheilkunde und damit 150 Jahre permanenter Entwicklung der Augenheilkunde zu einst nicht geahnten heutigen Perspektiven. Sie alle wissen, welchen Aufschwung die Augenheilkunde zur Verhütung von vermeidbarer Erblindung und zur Verbesserung von Lebensqualität bis heute genommen hat. Verantwortlich für diese Entwicklung ist aber nicht nur die sehr wichtige Spitzenforschung und Elitebildung, wie es heute heißt, sondern auch die Umsetzung der neuen Erkenntnisse für den einzelnen Patienten in der Praxis des einzelnen Augenarztes. Forschung, Fortbildung und Weiterbildung waren und sind eine Einheit in der DOG seit 150 Jahren. Auch das ist, im internationalen Maßstab betrachtet, eine besondere Stärke der DOG –. Die heutige Umsetzung dieses Konzeptes von Forschung, Fortbildung und Weiterbildung der DOG sind die Jahrestagung der DOG und die Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD). All dies war und ist DOG – als Verpflichtung und Herausforderung für die Zukunft.
Augenheilkunde ist heute nicht mehr das „kleine Fach“ im Windschatten der großen medizinischen Fächer. An vielen Universitätsklinika gehören die Augenkliniken zu den wesentlichen Stützen der Klinika, was Volumen und Qualität der Krankenversorgung auf höchstem Niveau anbelangt aber auch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in unserer monetär diktierten Umwelt betrifft. Augenheilkunde bedeutet auch das Wissen, dass wir Augenärzte bis zum Jahre 2030 wohl 50 Prozent mehr Patienten zur versorgen haben, wofür Ressourcen personeller und materieller Art zwingend folgen müssen, wenn Blindheit und Sehbehinderung nicht weiter zunehmen soll. Vision für das Auge, Vision für die Augenheilkunde ist somit eine Herausforderung für die notwendige Forschung und weitere Umsetzung der Forschung für den Patienten und daher eine Notwendigkeit in der Erarbeitung neuer Strategien.
Zur schlaglichtartigen Beschreibung der Lage heute drei kurze Momentaufnahmen:
1. Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Fortschritte der Wissenschaft auf allen Gebieten proliferieren, ja kaum noch überschaubar sind. Von der Genetik, der Molekularbiologie, der Biochemie, der Pharmakologie und der Nanotechnologie – um nur einige Gebiete zu nennen - gehen Impulse aus, die in verschiedensten Fachrichtungen der Medizin Lösungen in Diagnostik und Therapie anbieten. Beispielhaft seien die Erfolge in der Onkologie genannt, die uns heute eine erfolgreiche Therapie der feuchten AMD an die Hand gegeben haben. Neben den klassischen Forschungsfeldern, wie fachspezifischer Grundlagenforschung, klinisch basierten Studien und chirurgischen Weiterentwicklungen in der Augenheilkunde wird uns in Zukunft also die translationale Forschung beschäftigen, die überprüft, ob Ergebnisse in einem Fachgebiet eventuell auch in einem anderen Fachgebiet eine Option bieten. Voraussetzung hierfür ist jedoch die profunde Kenntnis des eigenen Fachgebietes Augenheilkunde ebenso wie der Blick über den „Tellerrand“.
2. Wir befinden uns heute in einem Klima der Forschungsförderung, in dem – zwar gut gemeint - nur noch die besten Wissenschaftler gefördert werden und vornehmlich interdisziplinäre Vorhaben Unterstützung erfahren sollen – Schlagwort: Elite. Doch die Fähigkeit zu einem Spitzenforscher und einer Elite in der Wissenschaft muss nicht weniger mühsam erworben werden, wie die „handwerkliche“ Fertigkeit eines Konzertpianisten oder die ärztliche Kunst des sorgfältigen und ethisch bewusst handelnden Augenarztes. Gerade die Basisförderung der Wissenschaft und der Weiterbildung unseres klinischen und wissenschaftlichen Nachwuchses bedarf der ausdrücklichen Förderung durch die Gesellschaft und damit gerade auch unserer
wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Erst dann kann die Vision der großen Forschungsergebnisse Wirklichkeit werden.
3. In der augenärztlichen Praxis und Klinik ist die Abgrenzung von medizinischer Versorgung, finanziert über die Krankenkassen und medizinisch sinnvollen Leistungen, die stillschweigend durch die Politik als individuelle Leistungsanforderung des Patienten selbst deklariert wird, fließend geworden. Die Definition des medizinisch Notwendigen steht im Raum und kann entweder durch die Politik, durch den Einzelnen oder aber durch die Autorität wissenschaftlicher Fachgesellschaften auf der Basis evidenzbasierter Erkenntnisse erarbeitet werden. Aber – sie muss deklariert werden, wollen wir nicht weiter in der „Scheinheiligkeit“ von Aussagen verharren, wie „Alles medizinisch Notwendige wird bezahlt werden.“
Drei ausgewählte exemplarische Momentaufnahmen der gegenwärtigen Situation, in der sich die Augenheilkunde heute befindet. Vision DOG ist in dieser Situation Verpflichtung und Herausforderung zugleich: Vision DOG als Verpflichtung, weil wir das Erreichte bewahren, forttragen und weiterentwickeln müssen, ohne dabei die Einheit des gesamten Fachgebietes Augenheilkunde zu verlieren. Dabei müssen die Subspezialitäten der Augenheilkunde integriert sein. Von daher kommt den Sektionen innerhalb der DOG und der Zusammenarbeit mit anderen Fachgesellschaften und auch unseren internationalen Verflechtungen eine besondere Rolle zu. Vision DOG als Herausforderung, weil sich die Rahmenbedingungen immer schneller wandeln. Wir erleben derzeit eine epochale Änderung im Selbstverständnis unseres Gesundheitswesens, insbesondere durch die Anforderungen und Erwartungen unserer Patienten, durch uns Ärzte selbst, und durch eine von einer „Gesundheitsökonomie“ getriebenen Politik, die die Augenheilkunde in keiner Weise verschont. Auch die ophthalmologische Forschung ist unmittelbar betroffen. Der DOG kommt dabei die Aufgabe zu, auch unter diesen, zum Teil erschwerten Bedingungen, alle Anstrengungen zu unternehmen, damit eine funktionierende Infrastruktur für die ophthalmologische Wissenschaft und die Forschung erhalten bleibt, ja mehr noch, weiter ausgebaut und gestärkt wird.
Wie übersetzt sich dies für eine notwendigerweise zu gestaltende Zukunft der DOG? Wie übersetzt sich dies in eine denkbare Handlungsanweisung für die DOG? Die DOG wird sich in Zukunft folgenden Komplexen in besonderer Weise stellen müssen:
Dienstleistung: Die DOG wird ihre Dienstleistungen für die Mitglieder in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Innovation, Aus-, Fort- und Weiterbildung intensivieren. Hierfür sind wir jetzt mit den derzeitigen Strukturen von Satzung und Geschäftsstelle vorbereitet.
Kooperation: Die DOG wird eine Intensivierung der Kooperationen mit den anderen augenärztlichen Verbänden und Organisationen in Praxis, Klinik und Universität anstreben müssen, damit die Einheit des Faches Augenheilkunde gewährleistet bleibt.
Forschungsförderung: in Zeiten der sich zusehends verknappenden allgemein zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel der Grundausstattung wird die DOG Mittel als Anschubfinanzierung bereit stellen, um weiter gehende Förderungen zu ermöglichen, wenn das Anliegen des Forschungsvorhabens eine Weiterentwicklung der Augenheilkunde verspricht.
Hierzu gehört auch Mithilfe der Organisation der DOG bei Informationen zu den Möglichkeiten der immer komplexeren Förderstrukturen im nationalen und europäischen Rahmen.
Positionierung: Die DOG wird sich gegenüber Gesellschaft und Politik noch deutlicher und akzentuierter als die sachverständige Vertretung der wissenschaftlichen Augenheilkunde darstellen müssen, um auf Basis gesicherter Erkenntnisse eine unangreifbare Beratung von Politik und Gesundheitsökonomie liefern zu können. Diese erklärt dann auch per se die Interessen der Augenärzte ohne primär wirtschaftliches Interesse. Nur auf einer solchen Grundlage kann die Bewertungen von Leistungen erfolgen.
Integration nach Innen: Die DOG muss die Integration des Fachgebiets unter Berücksichtigung und Würdigung aller Subspezialitäten unter ihrem Dach der wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Augenheilkunde erreichen, um mit einer gewichtigen Stimme auftreten zu können.
Integration nach Außen: Die DOG wird eine Intensivierung der internationalen Integration und Kooperation mit anderen ophthalmologischen Fachgesellschaften, insbesondere auf europäischer Ebene anstreben müssen. Hierfür wird es erforderlich sein, dass die nationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften zusammen mit den supranationalen europäischen Gesellschaften einen Dachverband bilden. Erste Bemühungen sind die langjährigen Kooperationen mit der SFO, die jetzt zu der Föderation ophthalmologischer Gesellschaften in Europa, der FEOph geführt haben. Ziel wird es sein müssen, auf europäischer Ebene die Belange der Augenheilkunde darzustellen und die Gemeinsamkeiten der Probleme und Lösungsmöglichkeiten für die Augenheilkunde in Europa zu erarbeiten und hierfür eine supranationale Möglichkeit der Kooperation der unabhängigen Fachgesellschaften zu erreichen. Auf dieser integrierten Basis wird eine Einbindung in die globale Kooperation der internationalen Augenheilkunde weiter verbessert werden können.
Schließlich wird die DOG im Jahre 2010 als Ausdruck dieser Kooperationsbereitschaft die Augenärzte der Welt zum World Ophthalmology Congress hier in Berlin zu Gast haben und dabei nach Kräften zeigen, dass die Vision DOG weiter Gestalt annehmen wird. Und wir werden hoffentlich zeigen können, dass die DOG eine glückliche Gesellschaft geblieben ist, und die Freundschaft der Augenärzte der Welt Teil der fröhlichen Feiern sein wird, die unsere Jahrestagungen immer begleitet haben. Wir alle sind überzeugt, dass die DOG mit 150 Jahren so jung geblieben ist, dass unaufhörlich neu realisierte Vision für das Auge, und damit weiterhin Jahre der permanenten Entwicklung der Augenheilkunde zu nochmals nicht geahnten Perspektiven für die Augenheilkunde in den kommenden Jahren und Jahrzehnten führen wird. Dies ist Vision DOG.
Forschungsförderung - Nachhaltige und intensive Förderung von Forschung, Wissenschaft und Innovation auch und gerade in Zeiten der sich zusehends verknappenden Mittel.
Die Förderung der ophthalmologischen Wissenschaft und Forschung ist und bleibt die vornehmste Aufgabe der Gesellschaft. Diese Ziele ergeben sich aus der Historie der Gesellschaft ebenso wie aus den gemeinnützigen und förderungswürdigen Zwecken, wie sie in der Satzung niedergelegt wurden. Die DOG verfolgt diese Ziele auf vielfältige Weise. Sie hält wissenschaftliche Kongresse und Fortbildungsveranstaltungen ab, gibt wissenschaftliche Zeitschriften heraus und richtet Sektionen, Kommissionen und Arbeitsgruppen ein, für die vielfältigen Aufgaben und Bereiche, in welchen eine wissenschaftliche Fachgesellschaft tätig sein muss. Insbesondere fördert die DOG die wissenschaftliche Ophthalmologie durch Preise, Stipendien und Forschungsförderungen. Gerade in einer Zeit, in welcher die Ressourcen immer knapper werden, ist es Aufgabe einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft durch gezielte Förderung Ausfälle, die durch wegbrechende Finanzierungsquellen für Forschung und Wissenschaft entstehen, zu überbrücken und, wo möglich, zu kompensieren. Hiermit kann eine Anschubfinanzierung ermöglicht werden, die die Einwerbung weiterer Mittel Dritter ermöglichen soll. Die DOG hat dies in Angriff genommen:
Bis zum Jahr 2005 beliefen sich die jährlichen Ausschreibungen für Preise und Forschungsförderungen auf einen Betrag zwischen 110.000 und 120.000 Euro per anno. In dieser Summe enthalten sind dabei DOG-eigene Mittel ebenso wie Mittel, die von dritter Seite, insbesondere von der Industrie, zur Verfügung gestellt wurden. Seit dem Jahr 2006 hat die DOG ihren Eigenanteil deutlich aufgestockt, so dass der Betrag der ausgeschriebenen Preise und Förderungen, die über die DOG vergeben werden, sich auf einen Gesamtbetrag von knapp unter 300.000 Euro per anno belaufen. Aufgrund einer guten Entwicklung der Aktivitäten, vor allem aber aufgrund eines soliden und nachhaltigen Wirtschaftens, ist die DOG wieder in der Lage, sich jetzt und in der Zukunft in diesem doch beachtlichen Umfang ihren zentralen Aufgaben zu widmen: der unmittelbaren Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Augenheilkunde. Von zentraler Bedeutung für die Zukunft wird es dabei sein, die wissenschaftliche Laufbahn für junge und begabte Ärzte als attraktive Perspektive zu erhalten. Nur wenn der Nachwuchs an begabten, motivierten und gut ausgebildeten Ophthalmologen nicht abreißt, wird die wissenschaftliche Augenheilkunde in Deutschland an den Ergebnissen und Fortschritten der vergangenen 150 Jahre anknüpfen und den wissenschaftlichen Fortschritt mit der gleichen Dynamik vorantreiben können. Diese Aufgabe wird eine der zentralen Aufgaben der DOG in den kommenden Jahren und Jahrzehnten bleiben. Die wissenschaftlichen Fachgesellschaften insgesamt dürfen nicht müde werden, Politik und Gesellschaft immer wieder darauf hinzuweisen, dass wissenschaftlicher Fortschritt einer intensiven und nachhaltigen Förderung bedarf. Dabei ist Forschung kein Selbstzweck. Gerade im Bereich der Medizin im Allgemeinen, aufgrund der demografischen Entwicklung in Deutschland im Bereich der Augenheilkunde aber ganz besonders, wirken sich Fortschritte in Wissenschaft und Forschung unmittelbar zum Wohle der Menschen und der Gesellschaft sowie deren Lebensqualität insgesamt aus.
Positionierung - Deutliche und akzentuierte Positionierung der Gesellschaft als sachverständige Vertretung der wissenschaftlichen Augenheilkunde und Formulierung von Leitlinien und Empfehlungen als Referenzwerte und verlässliche Standards.
Die DOG wird von Vertretern und Organen von Politik, Selbstverwaltung und Gesellschaft mehr und mehr aufgefordert, zu vielen politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Fragestellungen Stellung zu nehmen und an Entscheidungs- und Entwicklungsprozessen mitzuwirken: Die Einführung und Weiterentwicklung eines Fallpauschalensystems, Weiterentwicklungen der Weiterbildungsordnungen, Stellungnahmen zu Innovationen in Diagnose und Therapie, Regelungen zum Fortbildungscurriculum, die Integration und Harmonisierung auf europäischer Ebene sind Beispiele für diese immer wichtiger werdenden Aufgaben. Dabei sieht sich das Gesundheitssystem in Deutschland einem immer stärkeren Druck der Ökonomisierung ausgesetzt. Die Frage, ob und wie bestimmte Therapieformen und Behandlungsmöglichkeiten eingesetzt werden sollen, wird zunehmend nicht mehr vorwiegend aus medizinischer Sicht, sondern mehr und mehr aus ökonomischer Sicht bewertet. Aus diesem Spannungsfeld ergeben sich vielfältige Fragestellungen, nicht zuletzt auch solche ethischer Natur. Wissenschaftlichen Fachgesellschaften wie der DOG kommt dabei die Aufgabe zu, den aktuellen wissenschaftlichen Stand in Diagnose und Therapie zusammenzufassen und in Form von Leitlinien, Stellungnahmen und Empfehlungen zu veröffentlichen. Sie informieren damit einerseits die Partner der Selbstverwaltung, Kostenträger, die Organe und Vertreter von Staat und Gesellschaft, Selbsthilfegruppen und betroffene Patienten und deren Angehörigen über den aktuellen Stand in Diagnose und Therapie darüber, was aus wissenschaftlich-medizinischer Sicht sinnvoll ist. Andererseits erhalten Ärzte durch fundierte und aktuelle Erklärungen der Fachgesellschaften eine wichtige Argumentationshilfe im Falle von Auseinandersetzungen über die spezifische Behandlung konkreterer Krankheitsfälle. In dieser Hinsicht gilt es in den nächsten Monaten und Jahren, die vorhandene Infrastruktur auszubauen, um einen umfassenden Katalog an Leitlinien und Empfehlungen zu formulieren und diesen jeweils auf dem aktuellen Stand zu halten. Um diesen Katalog zu pflegen, müssen die erforderlichen Ressourcen aktiviert und erweitert und der Austausch mit anderen ophthalmologischen Gesellschaften und Organisationen intensiviert werden.
Integration nach Innen - Integration des Fachgebiets unter Berücksichtigung und Würdigung aller Subspezialitäten unter dem Dach der wissenschaftlichen Fachgesellschaft.
Um der Weiterentwicklung der Augenheilkunde Rechnung zu tragen haben sich im internationalen Rahmen Subspezialitäten der Augenheilkunde gebildet, für die sich teils national, teils international neue Gesellschaften gegründet haben mit dem sinnvollen Ziel, diesen Subspezialitäten eine besondere Schubkraft zu verleihen. Damit sollte der Fortschritt auf diesen Gebieten, wie z.B. Retinologie, Kornea, Strabologie oder Neuroophthalmologie in besonderer Weise gefördert werden, was per se sinnvoll ist. Die Gefahr besteht jedoch dabei, dass das ohnehin als „klein“ wahrgenommene Fach Augenheilkunde dadurch geschwächt wird, wenn „politisch“ nicht klargestellt bleibt, dass diese Subspezialitäten zur Augenheilkunde gehören. Um die notwendige Integration der Subspezialitäten sicherzustellen, hat die DOG durch die Bildung von Sektionen eine Anbindung der Spezialgebiete der Augenheilkunde unter das gemeinsame Dach der wissenschaftlichen Gesellschaft der Augenheilkunde ermöglicht. Mit der kürzlich durchgeführten Satzungsänderung wurden die Sektion mittlerweile auch in der Verfassung der Gesellschaft fest verankert und verfügen in den Gremien der DOG über Sitz und Stimme. Mit der Integration aller Bereiche des Fachs unter dem Dach der DOG wird nicht nur das Auseinanderdriften und damit die Marginalisierung der Augenheilkunde verhindert. Es wird damit vielmehr vor allem auch eine Basis geschaffen, auf der sich Spezialgebiete gegenseitig „befruchten“ und in einen intensiven Austausch treten können. Der wissenschaftliche Fortschritt innerhalb in der Augenheilkunde wird damit entscheidend gefördert und das Fach insgesamt deutlich gestärkt. Denn nur in der Kooperation aller Kräfte innerhalb der wissenschafts-basierten Augenheilkunde wird sich das Fach Augenheilkunde in dem sich immer mehr abzeichnenden „Kampf“ um Ressourcen einen Platz erobern können, der mit der in der Öffentlichkeit wahrgenommenen hohen Bedeutung des Sehens in unserer visuell betonten Welt vereinbar ist. Das Fach wird sich auch in der Zukunft weiter entwickeln. Neue Subspezialitäten werden sich möglicherweise bilden, bereits bestehende werden sich verändern. Der DOG kommt dabei die Aufgabe zu, solche Prozesse zu beobachten, zu begleiten und damit neue Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, aufzunehmen und ihnen einen unterstützenden Rahmen zu bieten, um auch auf diese Weise den Fortschritt der ophthalmologischen Wissenschaft zu fördern.
Integration nach Außen - Intensivierung der internationalen Integration und Kooperation mit anderen ophthalmologischen Fachgesellschaften, insbesondere auch auf der europäischen Ebene
Im Rahmen der verstärkten europäischen Integration und der Änderungen der Rahmenbedingungen, die diese mit sich bringen, aber auch durch die internationale Zusammenarbeit in Fragen der Blindheitsverhütung, der Forschungsförderung, der Entwicklung internationaler Leitlinien und Behandlungsstandards und der Intensivierung des internationalen wissenschaftlichen Austauschs wird eine Zusammenarbeit der unterschiedlichen nationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaften eine Notwendigkeit sein, die die DOG proaktiv mitgestalten sollte. Dabei können die nationalen Fachgesellschaften diese Aufgaben nicht auf supranationale Gesellschaften wie etwa die Societas Ophthalmologica Europeae (SOE) und die European Academy of Ophthalmology (EAO) abwälzen. Sie müssen ihre Verantwortung in diesem Prozess selbstbewusst, aktiv und unter Wahrung ihrer nationalen Identitäten und Eigenständigkeit wahrnehmen. Die DOG ist dazu bereit. Mit den Gesellschaften Frankreichs, Italiens und anderer europäischer Länder betreibt die DOG bereits seit mehreren Jahren bi- aber vor allem auch multilateral eine intensive und fruchtbare Zusammenarbeit, aus der inzwischen die Keimzelle einer Föderation europäischer ophthalmologischer Fachgesellschaften entstanden ist. Die DOG verstand sich von ihrer Gründung an als internationale Gesellschaft. Auch angesichts dieser Tradition wird der DOG eine wesentliche Rolle zukommen, eine europäische Struktur der augenheilkundlichen Gesellschaften zu formen und mit Leben zu erfüllen. Die Einbindung der europäischen augenheilkundlichen Spezialgesellschaften wird dabei von zentraler Bedeutung sein. Auch auf globaler Ebene intensiviert sich die Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaften und findet ihren Ausdruck in zahlreichen Initiativen. Die DOG begrüßt und fördert diese Entwicklung. Die DOG beteiligt sich aktiv am Projekt Vision 2020 der Weltgesundheitsorganisation, das sich zum Ziel gesetzt hat, die vermeidbare Erblindung weltweit zu beseitigen. Ferner ist die Deutsche Augenheilkunde über die DOG in die Arbeit des International Council of Ophthalmology (ICO) gut eingebunden. Ein weiterer wichtiger Meilenstein in internationaler Hinsicht ist der World Ophthalmology Congress (WOC), den die DOG im Jahre 2010 in Berlin ausrichten wird und bei welchem wir die Ehre haben werden, die Augenärzte der Welt in Deutschland als unsere Gäste begrüßen zu dürfen.
Kooperation - Intensivierung der Kooperationen mit den anderen augenärztlichen Verbänden und Organisationen in Praxis, Klinik und Universität
Aufgrund der Änderungen im Gesundheitswesen in Deutschland und aufgrund der Änderungen in der Selbstwahrnehmung der Aufgabenbereiche von Praxis, Klinik und Universitätskliniken in Deutschland mit unterschiedlichen Problembereichen hat sich in den letzten Jahrzehnten - im Gegensatz zu anderen Ländern - in Deutschland eine
zunehmende Zahl von Interessensvertretungen für die Augenheilkunde etabliert. Die seit gut 50 Jahren älteste Gruppierung ist der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V., mit dem die DOG seit Jahren eine konstruktive Zusammenarbeit pflegt. Da der Berufsverband die berufsständige Vertretung darstellt und die DOG die wissenschaftliche Gesellschaft der Augenärzte ist, ergaben sich über die Jahre Ergänzungen, die die Zusammenarbeit gefördert haben und als deren Resultat gemeinsame Fachkommissionen gegründet wurden. Formalisiert wurde die Zusammenarbeit über die Gründung einer gemeinsamen Gesellschaft, der AAD-GbR, der gemeinsame Aufgaben übertragen wurden, wie die Ausrichtung der Augenärztlichen Akademie Deutschland (AAD) und die Betreuung der kontinuierlichen medizinischen Weiterbildung (CME) und die Betreuung der Weiterentwicklung der DRGs. Viele dieser Aufgaben werden gerade im Hinblick der zunehmenden Ökonomisierung des Gesundheitswesens von immer größerer Bedeutung sein. Die Fortführung der intensiven und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Berufsverband wird damit weiterhin eine zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre sein. Die Zusammenarbeit mit der Vereinigung Ophthalmologischer Lehrstuhlinhaber (VOL) und der Vereinigung Ophthalmologischer Chefärzte (DOCH) ist naturgemäß im Interesse der wissenschaftlichen Ausrichtung der DOG eine Notwendigkeit, ohne dass hierbei die Gruppierungen der ambulanten Operationszentren außer Acht gelassen werden dürfen. Für die Zukunft wird es notwendig sein, in einer mehrfach initiierten Arbeitsgemeinschaft augenärztlicher Verbände in Deutschland unter Mitwirkung der DOG eine Struktur zu finden, die ein potentiell mögliches Gegeneinander unterschiedlicher Interessensgruppen in der Augenheilkunde im Interesse der Förderung und Weiterentwicklung des Fachgebiets insgesamt zu neutralisieren versteht. Aufgrund der heutigen Struktur der DOG mit Integration aller fachlichen Gruppierungen ist sie in der Lage, geballte fachliche Kompetenz in diesen Prozess einzubringen, um Synergien zu erreichen, die für alle Gruppierungen innerhalb der Augenheilkunde national und international von Nutzen sind.
Dienstleistung - Intensivierung der Dienstleistungen der DOG für ihre Mitglieder in den Bereichen Wissenschaft, Forschung, Innovation, Aus-, Fort- und Weiterbildung.
In den letzten 25 Jahren hat sich die Anzahl der Mitglieder der DOG von 1.800 bis auf heute nahezu 5.300 stetig erhöht. Die DOG ist damit nicht nur die älteste wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt, sondern gehört auch zu den mitgliederstärksten Gesellschaften in Deutschland. Auch dies ist Ausdruck der Dynamik und des Potentials der Gesellschaft. An dieser Stelle sei aber auch darauf hingewiesen, dass jedes einzelne Mitglied über den Mitgliedsbeitrag unmittelbar zur Förderung der ophthalmologischen Wissenschaft und Forschung beiträgt. Die Bereitschaft unserer Mitglieder, sich in diesem Maße für das Fach zu engagieren, ist beeindruckend. Die DOG fühlt sich ihren Mitgliedern daher verpflichtet und ist im Rahmen ihrer Möglichkeiten bestrebt, sicherzustellen, dass ihre Mitglieder aus der Mitgliedschaft in der Gesellschaft einen möglichst hohen Nutzen ziehen. Dies erreicht sie durch die Verbreitung wissenschaftlicher ophthalmologischer Erkenntnisse über ihre Zeitschriften, durch die Förderung des wissenschaftlichen Austauschs auf Kongressen, Symposien und Tagungen, durch die Bereitstellung einer Plattform im Internet, um auch hier den wissenschaftlichen Austausch zu fördern. Darüber hinaus versteht sich die DOG auch als Interessenvertreter der wissenschaftlichen Augenheilkunde und wirkt in dieser Funktion in vielfältiger Weise an politischen und wissenschaftlichen Fragestellungen mit. Eine Gesellschaft wie die DOG wird nur durch ihre Mitglieder mit Leben erfüllt. Ohne sie kann keine Gesellschaft existieren. Es muss daher eine der zentralen Aufgaben der DOG sein und bleiben, durch ein interessantes und attraktives Paket an Leistungen und Angeboten ihre aktiven Mitglieder weiter an sich zu binden und weiterhin stetig neue Mitglieder im In- und Ausland zu gewinnen.
Ausblick
Viele Neuerungen wurden in den letzten Jahren umgesetzt und angestoßen, neue Impulse wurden gesetzt, um die kommenden Herausforderungen meistern zu können. Die Satzung wurde überarbeitet und verbessert, die Sektionen wurden in die Gesellschaft integriert und verfasst, die Geschäftsstelle wurde umgestaltet und professionalisiert, ein Geschäftsführer als administrativer Leiter wurde eingesetzt, das Geschäftsführende Präsidium dadurch in erheblichem Umfang von administrativen Aufgaben entlastet und vieles mehr. Auch wenn bereits viel unternommen wurde, die Notwendigkeit der Anpassung an sich immer rascher wandelnde Rahmenbedingungen wird auch in der Zukunft bestehen bleiben. Dabei wird es für die Gesellschaft insbesondere von Bedeutung sein, die folgenden Aufgaben aktiv anzugehen und zu gestalten:
- Die nachhaltige materielle aber auch die ideelle Forschungsförderung
- Das Bemühen um die Erhaltung der Attraktivität der wissenschaftlichen Laufbahn
- Erarbeitung von fundierten Stellungnahmen und Leitlinien als Referenzen
- Die nachhaltige Integration des Fachgebiets auf nationaler Ebene
- Einbindung in eine Föderation Europäischer Ophthalmologie und die internationale und supranationale Positionierung der DOG vor allem im Konzert des wachsenden Europas und in der Welt
Mit der Konzentration auf diese Kernaufgaben wird die DOG dazu beitragen, dass die Augenheilkunde in Zukunft einen adäquaten Platz in unserer visuell dominierten Gesellschaft einnimmt und eine Perspektive für die Besten in der Medizin bietet. Auch und nicht zuletzt auf diese Weise kann die DOG das Ziel unterstützen, das die WHO mit der Kampagne „Vision 2020 – The Right for Sight“ verfolgt, nämlich die vermeidbare Erblindung weltweit zu beseitigen und damit die Lebensqualität aller zu verbessern. |
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