Geschichte der DOG

„In einer solchen selten gewährten musischen Stunde mag der Arzt versucht sein, von erhöhter Warte Rückschau und Umschau zu halten, um einen Überblick zu gewinnen über den Grund und Boden, auf dem er steht, und über die Quellen, welche ihn speisen: woher seine Wissenschaft kommt, wo sie steht, wohin sie geht. Damit stellt sich ihm die geschichtliche Betrachtungsweise als ein Postulat vertiefter Erkenntnis seines Berufes. Ohne einen in die Vergangenheit gerichteten Blick gibt es keine volle Erkenntnis der Gegenwart und keinen klaren Ausblick in die Zukunft. Die historische Methode ist der Schlüssel, der das Tor aufschließt zum Verständnis der geistigen Situation und der wissenschaftlichen Probleme des heutigen und des morgigen Tages. Gegenwartsfragen und Zukunftsaufgaben resultieren nur aus Vergangenheitstatsachen“.
(Albert Esser (1885-1972), Ophthalmologe und Medizinhistoriker aus Düsseldorf, in seiner Einleitung zur DOG-Festschrift von 1957)

Forschung und Wissenschaft sind durch Dynamik, Wandel und durch das ständige Hinterfragen des gegenwärtig Gültigen gekennzeichnet. Eine Gesellschaft wie die DOG, die Forschung und Wissenschaft einen Rahmen und ein Forum bieten will, muss sich diesem Anspruch ebenfalls stellen und muss sich veränderten Rahmenbedingungen schnell und flexibel anpassen können.

Die vergangenen 150 Jahre zeigen, dass die DOG gerade dieses auszeichnet. Und diese Fähigkeit der flexiblen Anpassung an die gegenwärtigen Notwendigkeiten, das rasche Aufnehmen von Strömungen und Entwicklungen, der durchaus kontroverse, letztlich aber immer zielführende innergesellschaftliche Diskurs sind dafür verantwortlich, dass die DOG trotz ihrer 150 Jahre, eine junge, eine dynamische, eine durchaus sehr traditionsbewusste, in ihrer Blickrichtung aber stets vorwärtsgerichtete Gesellschaft ist.

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Albrecht von Greafe (Website)

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Albrecht von Graefe
und die Augenheilkunde

1850 – ersten Extraktionen der getrübten Linse

Seit mehr als 3000 Jahren gibt es „Ärzte“, die sich mit den Erkrankungen des Auges befassen. Die älteste belegte ophthalmologische Operation, der „Starstich“, ist ungefähr 2500 Jahre alt. Im Mittelalter haben diagnostischer und therapeutischer Fortschritt für Jahrhunderte stagniert, obwohl sich die mittelalterliche Intelligenz in Person der Mönche mit den verwandten und sich wechselseitig beeinflussenden „Licht-Disziplinen“ Optik, Astronomie und Augenheilkunde beschäftigt hat, da Gott nach der Genesis das Licht als erstes erschuf.

Des Schreibens und Lesens mächtig, waren die Mönche die ersten, die – nach Eintritt der Alterssichtigkeit – Lesehilfen bedurften und solche benutzten. Auf Grund des Dogmas „Die Kirche vergießt kein Blut“ ist die ophthalmologische Chirurgie aber lange in den Händen von „Paramedizinern“ geblieben. Die ersten Extraktionen der getrübten Linse liegen 100 Jahre zurück. Die Augenheilkunde ist Teilgebiet der Chirurgie.


1850 – Augenspiegel

Hermann von HelmholtzDer Physiker Hermann von Helmholtz (1821-1894) stellt in Königsberg den Augenspiegel vor. Dieses Gerät ermöglicht erstmals die Erhebung von Befunden am Augenhintergrund beim lebenden Menschen. Es führt zu einem geradezu dramatischen Zuwachs an Erkenntnis und fördert damit entscheidend die Spezialisierung und so die Entwicklung der Augenheilkunde hin zu einem eigenständigen Fach.

1851, 1. November

Albrecht von Graefe (1828-1870) lässt sich in Berlin in eigener privater Augenklinik nieder.