XIV. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
14.-16. September 2000 Bern

Abstracta

in der Reihenfolge des Vortragsprogramms



Angela Gleixner-Lück (Tübingen):
Von Augenidolen, Tempeln und Schokoladensoufflés Mit Agatha Christie auf Grabung in Nordsyrien


"This would be a magnificient site, which would be well worth digging" notierte AGATHA CHRISTIES Ehemann, der englische Archäologe MAX MALLOWAN im November 1934 auf einem Survey in Nordsyrien. Er hatte recht und eine detektivische Spürnase, denn der Húgel Tell Brak barg eine einmalige kulturgeschichtliche Sensation. Tausende kleiner Augenidole warteten in den Fundamenten des "Augentempels" auf ihre Entdeckung. Waren Sie Votivgaben für eine Muttergöttin, Amulette gegen den bösen Blick oder Augenkrankheiten? Sind Sie neugierig auf MALLOWANS Interpretation? Dann folgen Sie seinen Spuren, begleitet von AGATHA CHRISTIES persönlichen Fotografien und vom feinen Duft ihres Schokoladensoufflés, der vor mehr als 60 Jahren abends den Hügel von Tell Brak umwehte.
(English)

Adresse: A. Gleixner-Lück, Froschgasse 15, D-72070 Tübingen

Vortragsprogramm



Vadrevu K. Raju (Morgantown):
Der Charaka-Club von New York


Der Charaka-Club wurde im November 1898 von einigen Medizinern in New York City gegründet, die sich für literarische, künstlerische und historische Aspekte der Medizin interessierten und Erholung bzw. Gewinn suchten in der Beschäftigung mit der nicht alltäglichen Seite ihres Berufs. Der Name des Clubs wurde gewählt zu Ehren des Hindu-Weisen, dessen Geschichte in Beiträgen dargestellt wird. Einblicke in die Verhandlungen des Charaka Clubs werden vorgestellt. (Übers. A. Henning)
(English)

Adresse: V. K. Raju M.D., 3140 Collins Ferry Road, Morgantown, WV 26505 USA

Vortragsprogramm



Hans Remky (München):
Benvenutus Grapheus
"... der berühmteste Augenarzt des spät-mittelalterlichen Europa"



"Über BENVENUTUS wissen wir nichts, als was wir aus seinem Werk erfahren" (HIRSCHBERG). Seine Lebensdaten (wahrscheinlich XII. Jahrhundert) kennen wir nicht. Sein schon früh verschollenes Werk ist nur durch spätere Abschriften und Übersetzungen bekannt und vielfach ergänzt worden; 1474 wurde es als erstes Lehrbuch der Augenheilkunde gedruckt. Es wird versucht, durch Vergleich verschiedener Codices (XIII. - XVI. Jahrhundert) zur Lebensgeschichte von Benvenutus beizutragen und sein erneut in Vergessenheit geratenes Werk zu würdigen.
(English)

Adresse: Prof. Dr. med. H. Remky, Arabellastraße 5, D- 81925 München

Vortragsprogramm



Liliane Bellwald (Luxembourg):
Henri de Mondeville (um 1260 - um 1320), Mediziner, Chirurg, Chirurg des franzôsischen Königs, Militärchirurg, Autor der "Cyrurgia"


Die Heimat seiner Kindheit ist vermutlich die Normandie in Frankreich. Wie die Mehrheit der Akademiker seiner Zeit ist auch er Kleriker. In Montpellier oder Paris beginnt er sein Studium der Medizin Wie sein Schüler GUY DE CHAULIAC studiert er die Chirurgie und einen Teil der Anatomie in Bologna. Er war Schüler von GUIDO LANFRANCHI, THEODORIC und JEAN PITART.
HENRI DE MONDEVILLE lehrt an der Universität Montpellier, als er zum Chirurgen des französischen Königs PHILIPPE LE BEL berufen wird.
Seine Leidenschaft gehört der Chirurgie, aber auch der medizinischen Deontologie. Die Aristotelische Philosophie fliesst in seine Arbeit ein.
Zur Zeit seiner Berufung an den französischen Hof hat er sein Werk, die "Cyrurgia", schon begonnen. Sie ist das erste grosse französische Lehrbuch der Chirurgie, direkte Vorgängerin von GUY DE CHAULIACS bedeutender "Chirurgia Magna". Als kritischer und innovativer Geist versucht MONDEVILLE Neuerungen in die chirurgische Praxis einzubringen. HENRI DE MONDEVILLE verwendet als erster Schautafeln und anatomische Modelle zur Illustration seiner Vorlesungen. Nach mehrjähriger Krankheit verstirbt er um das Jahr 1320.
(English), Francais)

Adresse: Dr. med. L. Bellwald, BP 1268, L-1012 Luxembourg

Vortragsprogramm



Aloys Henning (Berlin):
Zur Taufe von Joseph Hillmers "Berliner" Sohn Johann Joseph 1752


1999 fand der Leiter des Berliner Hugenottenmuseums, ROBERT VIOLET, im Archiv der Berliner Französischen Kirche den Taufeintrag für einen Sohn des reisenden Okulisten JOSEPH HILLMER. Anhand der beurkundeten Herkunft des Okulisten aus dem niederösterreichischen Hainburg ließen sich dort Geburtsdaten ermitteln: geboren am 9. November 1719 als Sohn des angesehenen Baders FERDINAND HILLMER. Das läßt hoffen, auch sein noch unbekanntes Sterbedatum nach 1775 zu finden.
Auffällt die Berliner reformierte Kindstaufe des katholischen Okulisten, dazu als Haustaufe, die kalvinistischen Vorstellungen zuwiderlief. Das Taufregister bezeugt am 1. August 1752 eine Leipziger Ehefrau Hillmers. Die Urkunde nennt die Taufpaten, als vornehmsten Friedrichs II. Geheimkämmerer GABRIEL FREDERSDORF, der von einem verwandten GRAF FREDERSDORF vertreten wurde. Unter den Gästen befand sich eine Madame OPPITZ. Eine durch Viehhandel und Geldverleih vermögende Familie des Namens in Österreich besaß Einfluß bis in höchste Kreise. Dies erfordert neue Forschun-gen zum Okulisten, der aufgrund einer Dokumentation des Leibarztes der Zarin ELISABETH, HERMAN KAAU BOERHAAVE (1712-1753), verdächtig ist, als Agent des preußischen Königs 1751 nach Rußland gereist zu sein, wo er als Scharlatan ausgewiesen wurde. FRIEDRICH II. hatte ihn 1748 zum ordentlichen Professor für Augenheilkunde am Berliner Collegium Medico-chirurgicum ernannt.
(English)

Adresse: Dr. med. A. Henning Berlin, Spandauer Straße 104 K, D-13591 Berlin

Vortragsprogramm



Jean Royer (Châtillon-Le-Duc):
Das tragische Schicksal des blinden Malers Johann Melchior Wyrsch (1732 - 1798)


JOHANN MELCHIOR WYRSCH (geb. 21. August 1732 in Buochs) war im Jahre 1768 Gründer und dann Direktor der Akademie für Malerei und Zeichnen (Académie de peinture et de dessin) der Stadt Besançon, wo eine Strasse heute seinen Namen trägt. Als Dank für seine unzähligen Dienste, die er während der 16 Jahre seines Aufenthalts geleistet hatte, wurde er 1784 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt. Im Jahre1784 zog er nach Luzern, wo er eine Schule für Kunstmaler gründete. Er hat sich aber rasch zurückgezogen wegen einer progressiven Sehverschlechterung, die er einem grauen Star zuschrieb. Es scheint, dass er nie operiert wurde. Er zog sich danach in sein Geburtsdorf Buochs zurück, wo er von seinen Mitbürgern als "der blinde Mahler" bezeichnet wurde. Er wurde am 9. September 1798, bei der vollständigen Zerstörung seines Dorfes durch die Truppen des Ersten Konsuls BONAPARTE ermordet. Sein schreckliches Ende ist eine dramatische Episode, die den heutigen Bewohnern der Stadt Besançon kaum bekannt ist.
((English), Francais)

Adresse: Dr. med. A. Henning Berlin, Spandauer Straße 104 K, D-13591 Berlin

Vortragsprogramm



Gerhard HOLLAND (Kiel):
Die Keratonyxis, eine späte Variante des Starstichs


Rund 60 Jahre nachdem Daviel die extrakapsulare Staroperation mit Hornhautschnitt nach unten einführte, erlebte der Starstich, der mehr als 2500 Jahre durch die Sklera erfolgte (Skleronyxis) eine, wenn auch nur kurze, Renaissance. Ursache für diese Entwicklung war die Wahl eines neuen Zugangs, nämlich der Starstich durch die Hornhaut. Diese Methode geht im wesentlichen auf Buchhorn zurück, der 1806 in einer Dissertation den Starstich durch die Hornhaut empfahl und hierfür den Ausdruck Keratonyxis wŠhlte. Während seiner Dissertation nur Versuche an Tieren zugrunde lagen, führte er wenige Jahre später als Augenarzt in Magdeburg die neue Methode auch am Menschen aus. Neu an der Methode war auch, daß mittels der Keratonyxis nicht nur die Depressio oder Reclinatio lentis durchgeführt werden konnte, sondern auch eine Zerstückelung der Linse. Als vorzügliche Indikation galt der graue Star im Kindesalter. Es ist K.J.M. Langenbeck, dem damals recht bekannten Professor der Chirurgie und Anatomie in Göttingen, zu verdanken, daß die neue Methode rasch bekannt wurde und die anderen Methoden fast zu verdrängen schien. Sie fand Eingang in die zahlreichen ophthalmologischen Lehrbücher jener Zeit. Ausführlich beschrieb Jüngken die Keratonyxis in seiner 1829 erschienenen Operationslehre. Besonders zu erwähnen ist eine Abhandlung von Pauli aus dem Jahre 1838. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat jedoch die Cataractextraktion durch den Hornhautschnitt endgültig ihren Siegeszug an, während die Ausdrücke Keratonyxis und Skleronyxis bald nur noch aus historischen Gründen Erwähnung fanden und heute aus unserem Wortschatz ganz verschwunden sind.
(English)

Adresse: Prof. Dr. med. G. Holland, Esmarchstraße 51, D- 24105 Kiel

Vortragsprogramm



Jutta Herde (Halle):
Der Augenarzt und Historiker August Wilhelm Andreae


Die von AUGUST WILHELM ANDREAE (1794 - 1867) zu würdigenden Leistungen sind vorzugsweise der praeophthalmoskopischen Ära der Augenheilkunde zuzuordnen. Als Sohn des Stadtphysikus JOHANN FR. ANDREAE und seiner Ehefrau MARIA CHRISTIANA ging A. ANDREAE nach Absolvierung der Bürgerschule in seiner Heimatstadt Neuhaldensleben und des Grauen Klosters zu Berlin 1811 zum Studium der Medizin an die Universität in Berlin. Nach erfolgter Promotion 1814 nahm er als Oberarzt am letzten Feldzug nach Paris teil. Nach Deutschland zurückgekehrt, führten ihn Forschungsreisen u.a. nach Wien zu Prof. BEER und JÄGER. Damit begann seine ophthalmologsche Laufbahn. Neben der 1817 etablierten Niederlassung in Magdeburg hält er an der daselbst eingerichteten chirurgischen Lehranstalt Vorlesungen über allgemeine Pathologie, Semiotik, Augenheilkunde und gerichtliche Medizin. In Anerkennung seiner praktischen und wissenschaftlichen Tätigkeit wurden ihm mehrere Beförderungen zuteil. Die wissenschaftlichen Publikationen über die Augenheilkunde, aber vor allem seine Werke "Zur ältesten Geschichte der Augenheilkunde" und "Die Augenheilkunde des Hippokrates" zeichnen Andreae als einen hervorragenden und kritischen Kenner der Augenheilkunde und ihrer Geschichte aus, worüber zu berichten ist.

Adresse: Prof. Dr. med. J. Herde, Univ.-Augenklinik, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Magdeburger Str. 8, D-06112 Halle

Vortragsprogramm



Manfred Tost (Halle):
Albrecht von Graefes Cognomen


Technische Neuentwicklungen und erkenntnistheoretischer Fortschritt waren im 17. Jahr-hundert die Basis, nach neuen Formen der Wissenschaftsorganisation zu suchen. Neben den seinerzeit eher schulisch ausgerichteten Universitäten kam der Gedanke an die Gründung von Akademien auf, von denen bestimmte einer Förderung der Experimentalforschung dienlich sein sollten. Die 1652 von vier Ärzten in Schweinfurt gegründete Academia naturae curiosorum - heute Deutsche Akademie der Naturforscher LEOPOLDINA - gehört zu den ältesten Gelehrtenvereinigungen dieser Art, in die unter der Matrikelnummer 1867 im Jahre 1858 ALBRECHT VON GRAEFE aufgenomen wurde.
Es entsprach früher Tradition, die Vergabe von Cognomina (auch Agnomina) in wissenschaft-lichen Gesell-schaften zu pflegen, deren Sinn und Ziel unter mehrfachen Aspekten zu diskutieren ist. Auch der Verleihungsmodus ist zeitabhängig einem Wandel unterlegen gewesen. Eine Entlehnung von Beinamen aus der antiken Mythologie war üblich. Bei ALBRECHT VON GRAEFE fällt auf, daß unter der Wahl des Cognomen "Schmidt" offensichtlich ein Bruch mit der Tradition stattfindet und sich ein Brückenschlag zur Moderne vollzieht, ehe auf die Nutzung von Cognomina in den Akademien vollends verzichtet wird. Auf die Persönlichkeit des Namenspatrons wird näher eingegangen.

Adresse: Prof. Dr. med. M. Tost, Semmelweisstraße 11, D-06120 Halle/Saale

Vortragsprogramm



Peter Kober (Schwelm):
Die Entwicklung der Augenheilkunde im Rahmen der medizini-schen Fakultät der Universität Dorpat (Tartu)


Allein die Vielzahl der Namen, die verschiedene Nationen ihr gegeben haben, weist auf die bewegte und oft unglückliche Geschichte der Stadt Dorpat und damit auch ihrer Universität hin. Dorpat auf deutsch, Jurjew auf russisch, Tehrpat auf lettisch und heute nun auf estnisch Tartu, Die Universität in der ursprünglichen Hansestadt in Livland wurde 1632 von GUSTAV ADOLF von Schweden gegründet. Die Ausstrahlung der medizinischen Fakultät war lediglich auf die schwedischen Ostseeprovinzen beschränkt, und mit den Verwüstungen des Großen Nordischen Krieges wude auch das Ende der Universität 1704 besiegelt. Im Jahre 1802 wiedereröffnet, entwickelte sich ihre medizinische Fakultät bald zur Ausbildungsstätte für junge, mit der aufkommenden naturwissenschaftlich geprägten Medizin West- und Mitteleuropas vertraute Ärzte im ganzen russischen Reich. Dazu wurde Dorpat ein Sprungbrett für viele zukünftige Lehrstuhlinhaber an deutschen Universitäten. Die Augenheilkunde nahm teil an dieser Entwicklung: 1867 wurde der erste Lehrstuhl für Ophthalmologie eingerichtet. Gleichzeitig entstand die Augenklinik. und erster Lehrstuhlin-haber wurde GEORG VON ÖTTINGEN, geboren 1824. Auf ihn folgten erst weitere deutschsprachige, dann russische und estnische Ophthal-mologen. Jetzt - nachdem Estland wieder eine freie Republik geworden ist - erfüllt die Augenklinik bei einem großen Modernisierungsschub wieder und immer noch ihren Auftrag als Stätte der Heilkunst, Forschung und Lehre.
(English)

Adresse: Dr. med. P. Kober, Zamenhofweg 4, D - 58332 Schwelm

Vortragsprogramm



Gregor Wollensak (Dresden):
Wellers Lehrbuch über die Augenheilkunde


KARL-HEINRICH WELLER (1794 - 1854) war ein Dresdener Augenarzt im Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Erstausgabe seines Lehrbuches der Augenheilkunde erschien 1819, nur zwei Jahre nach dem Erscheinen des Handbuchs für Augenheilkunde von BEER aus Wien, dem ersten Lehrstuhlinhaber der Augenheilkunde.
Anhand der dritten Auflage des Lehrbuches "Die Krankheitern des menschlichen Auges" aus dem Jahre 1826 wurde das damalige ophthalmologische Wissen im Hinblick auf heutige Erkenntnisse analysiert. Schwerpunkte des Lehrbuches sind u. a. Entzündungen der Hornhaut, Iris und Bindehaut, wobei insbesondere die syphilitischen Entzündungen und die Scrofulosa dargestellt werden. Virale Entzündungen waren noch unbekannt. Desweiteren werden die Katarakt und die drei damaligen Behandlungsformen Reclinatio, Extractio und Keratonyxis vorgestellt. Die Augendruckerhöhung bei Glaukom, Augenspiegelung und Schieloperationen waren noch gänzlich unbekannt.
Wellers Lehrbuch gibt auf hohem Niveau einen umfassenden Einblick in das ophthalmologische Wissen seiner Zeit und zeigt, wie manches uns heute Selbstverständliches erst mühsam erforscht werden mußte.
(English)

Adresse: PD Dr. G. Wollensak, Augenklinik am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden, Fetscherstr. 74, D-01307 Dresden

Vortragsprogramm



Hans Remky (München):
Henri Dor (1835 - 1912)


HENRI DOR war der erste Inhaber des 1867 an der Universität Bern errichteten Lehrstuhles für Augenheilkunde; seine Vorgänger waren Professoren für Augen- und Kinderheilkunde bzw. Augen- und Ohrenheilkunde gewesen. Schon 1876 trat er wegen unzureichender Klinikverhältnisse zurück und wirkte klinisch und wissenschaflich bis zu seinem Tode in Lyon. Demonstration einer ihm 1911 gewidmeten Bronzeplakette, Kurzbiographie.
(English)

Adresse: Prof. Dr. med. H. Remky, Arabellastraße 5, D- 81925 München

Vortragsprogramm



Frank Krogmann (Thüngersheim):
Die Beziehungen zwischen Österreich und der Schweiz auf ophthalmologischem Gebiet


Durchleuchtet man die Verbindungen der beiden Alpenländer Österreich und der Schweiz auf ophthalmologischem Gebiet, sollte man bezüglich der Schweiz sogleich eine weitere Unterteilung in deren beiden große Sprachgebieten, deutsch und französisch, vornehmen. Es lassen sich einige Verbindungen eruieren:
  • HEINRICH SCHIEFL (1833 - 1915), Basel, war Schüler von ALBRECHT VON GRAEFE in Berlin, dieser wiederum von FERDINAND ARLT, Prag - somit kann Schiefl als "ophthalmologischer Enkelsohn" Arlts bezeichnet werden.
  • Zwischen der deutschsprachigen Schweiz und Österreich findet sich in der Person FRIEDRICH HORNERS (1831 - 1886), dem "Altmeister der Schweizer Ophthalmologen" aufgrund seiner Lehrzeit in Wien ein herausragender Bezug.
  • Auch RNST PFLÜGER, Bern, spezialisierte sich in Wien.
  • Aufgrund der frühzeitigen Zulassung von Frauen zum Studium, darf die Schweiz für sich in Anspruch nehmen, sowohl die als erste in Österreich tätige (ROSA KERSCHBAUMER), als auch die erste österr. Augenärztin (ROSA WELT) promoviert zu haben.
  • Auf Schweizer Boden erblickte im Jahre 1876 der österreichische Staatsangehörige HANS LAUBER ["Gesichtsfeld-Lauber"] das Licht der Welt
  • Weder Österreich noch die Schweiz konnten den 6. internationalen Ophthalmologenkongreß durchführen.
  • Die gegenseitigen Ausbildungstätigkeiten setzten sich auch im 20. Jh. fort. So war der letzte Vorstand der aufgelassenen II. Univ.-Augenklinik in Wien, HANS SLEZAK, als Ass.-Arzt 1956 in St. Gallen tätig.
  • Ehrenmitglieder der ÖOG aus der Schweiz sind: ADOLF FRANCESCHETTI, gest. 1968; RUDOLF WITMER, gest. 1992; ALFRED HUBER; PETER SPEISER.
  • In unseren Tagen sind einige der vornehmsten Kapazitäten der Schweizer Ophthalmologie Mitglied der in Wien registrierten Julius-Hirschberg-Gesellschaft.
(English)

Adresse: F. Krogmann, Kirchgasse 6, D- 97291 Thüngersheim

Vortragsprogramm



Robert Heitz (Haguenau):
August Siegrists Beitrag zur optischen Korrektur des Keratokonus


Der Beitrag Professor SIEGRISTS aus Bern zur Entwicklung der optischen Korrektur des Keratokonus stellt eine wichtige Etappe in der Geschichte der Kontaktlinsen dar. Schon 1897 hat er einen von CZERMAKS Orthoskop abgeleiteten "Wasserkasten" erfunden und angewendet, den er nach und nach zu einem Hydrodiaskop mit optischer Korrektur entwickelte. Ab 1916 paßte er die ersten von den Gebrüdern MÜLLER in Wiesbaden geblasenen Kontaktgläser an und hat dazu eine rationelle Anpaßmethode entwickelt. Ab 1920 war SIEGRIST an der Entwicklung der ersten geschliffenen und polierten Haftgläser von ZEISS beteiligt.
(English), Francais)

Adresse: Dr. med. R. Heitz, 22 A rue de l'Aqueduc, F-67500 Haguenau

Vortragsprogramm



Dieter Schmidt (Freiburg):
Geschichte der Krankheitsentdeckung der Myasthenia gravis (Erb-Goldflam), unter besonderer Berücksichtigung der okulären Befunde


Vor 328 Jahren beschrieb THOMAS WILLIS erstmals typische myasthenische Symptome. Die Krankheit wurde von der progressiven Bulbärparalyse durch ERB (1879) und GOLDFLAM (1893) abgegrenzt. FRIEDRICH JOLLY (1895) nannte sie "Myasthenia gravis pseudoparalytica" und fand eine muskuläre Erschöpfungsreaktion durch Serienreize. JOLLY empfahl bereits die Behandlung mit Physostigmin. REMEN (1932) und MARY WALKER (1934) wiesen eine Besserung myasthenischer Paresen durch Neostigmin nach. Ein Thymustumor wurde 1892 beschrieben (HOPPE). Eine Thymektomie erfolgte 1912 durch SAUERBRUCH, später durch BLALOCK (1936). Die Myasthenie wurde als Autoimmunkrankheit durch SIMPSON (1960, 1966) und NASTUK et al. (1960) beschrieben. Fortschritte in der Diagnostik waren Einführung der Elektromyographie (HARVEY & MASLAND, 1940) und von Edrophoniumchlorid (OSSERMAN & KAPLAN, 1952), Einzelfaserableitungen der Muskeln ("Jitter-Phänomen", STÅLBERG, 1972) und Nachweis von Antikörpern gegen Acetylcholin-Rezeptoren (TOYKA, 1975 und LINDSTROM 1976).
In der ophthalmologischer Diagnostik sind zu erwähnen die Entdeckung von Lidzuckungen "lid twitches" (GOWERS, 1902, COGAN, 1965), ebenso von "quiver movements" (COGAN et al. 1976), elektromyographische Zeichen der Augenmuskeln (HUBER, 1957), Auftreten eines Nystagmus ("muskelparetischer Nystagmus") (OPPENHEIM 1901, SCHMIDT, 1975, 1977) sowie die Beobachtung einer Hypermetrie nach Edrophonium-Injektion bzw. nach anhaltendem Seitwärtsblick (SCHMIDT, 1975, SCHMIDT et al. 1980).
(English)

Adresse: Prof. Dr. med. D. Schmidt. Univ.-Augenklinik, Killianstraße 5, D-79106 Freiburg

Vortragsprogramm



Gerhard Keerl (Düsseldorf):
Geschichte oder Gegenwart? - Fünfzig Jahre "Custodisplombe"


Fast am gleichen Tag im November 1949, also vor 50 Jahren, kam es zu zwei bahnbrechenden Operationsmethoden in der Ophthalmologie: RIDLEY implantierte seine erste Intraocularlinse in den Kapselsack und CUSTODIS führte seine erste "Plombenoperation" bei der rhegmatogenen Netzhautablösung durch. Während der Name RIDLEYS - berechtigt - immer wieder genannt wird, wird der Name CUSTODIS' - unberechtigt - kaum noch mit der von ihm inaugurierten bulbuseindellenden Methode verbunden. Es wird eingegangen auf die Voraussetzungen, die er antraf, auf die technischen Möglichkeiten seiner Zeit und auf die Überlegungen, die ihn zu seiner Maßnahme führte. Hingewiesen wird auf die in der ersten Publikation schon gestellte Forderung des minimalen, gezielten Eingriffes ohne Drainage. Die Frage nach der noch gültigen Wertigkeit seiner Methode wird versucht zu beantworten.
(English)

Adresse: Dr. med. G. Keerl, Droste Hülshoffstraße 2, D-40474 Düsseldorf

Vortragsprogramm



Jörg Draeger, Corinna Thiel (Hamburg):
Charlottenlund-Conference: Erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der ophthalmologischen Mikrochirurgie


JÖRN BÖBERG-ANS rief schon sehr früh die wenigen an diesem schwierigen Thema interessierten Kollegen zu einem Meeting zusammen. Aus diesen Zusammenkünften entwickelte sich sehr schnell eine aktive wissenschaftliche Zusammenarbeit, die letztlich in die Gründung der International Ophthalmic Microsurgery Study Group (IOMSG) 1966 mündete.
(English)

Adresse: Prof. em. Dr. med. J. Draeger, Univ.-Augenklinik, Martinstraße 52, D-20251 Hamburg
Dr. med. Corinna Thiel, Christian-Förster-Straße 29, D-20253 Hamburg

Vortragsprogramm



Gottfried Vesper (Leipzig):
Farben in der augenärztlichen Praxis und in der künstlerischen Darstellung bei Kandinsky


In der Augenheilkunde spielt die richtige Wahrnehmung der Farben bei Patienten oder bei der Tauglichkeitsbeurteilung, beispielsweise im Verkehrswesen, eine große Rolle. Abweichungen sind angeboren oder weisen auf Erkrankungen hin. Der Maler WASSILY KANDINSKY (1866 - 1944), einer der wichtigsten Wegbereiter der abstrakten Kunst im 20. Jahrhundert, unterscheidet beim Ansehen einer Farbe zwei Hauptresultate, eine physische und eine psychische Wirkung.
(English)

Adresse: Dr. med. G. Vesper, Harnackstraße 9, D-094317 Leipzig

Vortragsprogramm




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