XV. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
27. - 29. September 2001 in Hamburg

in Verbindung mit der 100-Jahrfeier der DGGMNT
28. Sept.- 1.Oktober 2001

Summaries

in der Reihenfolge des Vortragsprogramms




Liliane Bellwald (Luxembourg):
Ophthalmica und andere ‘medizinische’ Hilfsmittel in der Augenheilkunde des beginnenden 14. Jahrhunderts bei Guy de Chauliac und Henry de Mondeville


Von Augentropfen und Salben, von Diät und Abfühmitteln, von Sehhilfen und wilden EseIn wird die Rede sein. Der Augenarzt des beginnenden 14. Jahrhunderts nützt auch Brenneisen, Schröpfköpfe und die Chirurgie. Der chirurgische Eingriff beinhaltet selbstverständlich eine akurate Vorbereitung und Nachbehandlung, dies wiederum unter Zuhilfenahme von medizinischen Mitteln. Die eigentlichen Ophthalmica enthalten Ingredienzien aus der Pflanzenwelt, dem Tierreich und der Mineralogie.

Von der Alraune zum Bilsenkraut, vom Weihrauch zu den Perlen, vom Antimon zum Honig und zur Frauenmilch führt die mittelalterliche Pharmakopoe. So findet das Eiweiss Anwendung bei der Verschönerung der Manuskripte, aber auch Verwendung in der Augenheilkunde. Vom Theriak und der sogenannten Dreckapotheke geht die Rede. Magie und Astrologie beeinflussen die therapeutischen Massnahmen. Die psychologische Betreuung ist nicht zu vernachlässi gen.Unter anderen werden Galen und Plinius uns begegnen.

Hatten die Ophthalmica und andere ‘Arzneimittel’ jener Zeit überhaupt eine pharmakologische Wirkung? Wie beschaffte man sich die verschiedenen Substanzen? Die Seidenstrasse und der Mittelmeerraum spielen eine Rolle. Wir werden einen Blick in die Klostergärten werfen und sehen wie man Medikamente herstellte und aufbewahrte. Konnten Ärzte wie Guy de Chauliac und Henry de MondeviIle sich schon damals auf einen professionellen Apotheker verlassen, oder mussten sie die Arzneimittelherstellung selbst übernehmen? Gab es, auch aus pharmako logischer Sicht, eine Zweiklassenmedizin?

Auf welche Sehhilfen konnte der Mensch im 14. Jahrhundert zurückgreifen? Und war der Patient leicht vom Gebrauch dieser Möglichkeiten zu überzeugen?

Die Manuskripte der beiden grossen Ärzte geben interessante und oft überraschende Antworten auf diese Fragen und führen uns in eine bewegte, farbige umd nicht ungefährliche Zeit.

Adresse: Dr. med. L. Bellwald, B.P. 1268, L-1012 Luxembourg

Vortragsprogramm


Gerhard Keerl (Düsseldorf):
Der blinde Heerführer der Hussiten, Johann von Ziska


Über die ersten Lebensjahrzehnte des böhmischen Heerführers Johann Ziska (Jan Žižka) von Trocznow sind nur wenige und widersprüchliche biographische Daten überliefert. So ist fast nichts über seine Familie, wohl eine niedere Adelsfamilie, wie auch über Art und Zeitpunkt der Erblindung seines ersten Auges bekannt. Um die Umstände seiner Geburt ranken sich Legenden. Geboren um 1360, begann seine politische Rolle erst 1409 während der Aufstände der Anhänger des Kirchenreformers Huß. Entgegen dem Kaiserwort auf freies Geleit hatte man Huß auf dem Konzil zu Konstanz verbrannt. Ziska wurde der Anführer der Taboriten und kämpfte gegen Kaiser Sigismund, gegen die römisch-katholische Kirche und für soziale Reformen. Unter Zerstörung von Klöstern und nicht reformwilligen katholischen Orden durchzog er mehrere Jahre das Königreich Böhmen. Die letzten Jahre seines Lebens führte Ziska seine Truppen in völliger Blindheit. Bei der Belagerung der Burg Raby hatte er das zweite Auge verloren. Er wird zu den bedeutenden Heerführern und Taktikern gerechnet. Sein Leben, das 1424 durch eine Infektionskrankheit endete, fand außer der historischen Dokumentation auch in der heroisierenden Poesie Niederschlag. (English)

Adresse: Dr. med. G. Keerl, Droste-Hülshoffstraße 2, D-40474 Düsseldorf

Vortragsprogramm

Franz Daxecker (Innsbruck):
Johann Georg Fuchs – Medicus, privileg. Oculist und Operateur


Auf einem Flohmarkt in Innsbruck fand sich ein Kupferstich (25x17 cm) eines wohlbeleibten, reich gekleideten mit einer Perücke geschmückten Mannes. Das Porträt trägt die Umschrift IOHANN GEORG FUCHS MEDICUSPRIVILEG. OCULIST ET OPERATEUR. Aetat. Suae 30. An den Ecken sind vier Wappenschilder: das des Kaiser Karls VI., das Wappen des Fürst bischofs Georg Ludwig von Berghen von Lüttich, der Stier als Symbol des Evangelisten Lukas (Lukasbruderschaft), der vierte Wappenschild ist unklar, ev. der einer Abtei im Bistum Lüttich. Unten befindet sich noch das Wappen des Oculisten mit einem Fuchs und seinen Initialen. Am 24. Oktober 1729 hatte Fuchs beim Kaiser ein Gesuch um Erteilung eines Ärzteprivilegs und um ein Examen eingebracht und erhielt das Privileg am 5. November 1729. In seinem Ansuchen führt Fuchs seine Kenntnisse in der Oculisten-, Stein-, Bruch- und Wundarzneikunst an, daß er in Koblenz geboren wurde (vermutlich um 1698) und in Brüssel seƟhaft sei, seine Kenntnisse habe er bei Michael Braun erworben. 1728 hatte Fuchs in Lüttich die Erlaubnis zu praktizieren erhalten, diese Erlaubnis wurde 1746 erneuert bevor ihn der neue Fürstbischof Johann Theodor von Bayern in seine Dienste aufnahm. Johann Georg Fuchs hat die Augenheilkunde nicht revolutioniert, sein Name steht mit keiner neuen Technik oder einem neuen Instrument in Verbindung, er war ein wandernder Augenarzt und Operateur.

Bemerkenswert ist noch, dass der Vater Adalbert (1814–1886) des berühmten Wiener Ophthalmologen Prof. Ernst Fuchs (*1851 in Wien, †1930, aus Lüttich nach Wien berufen) in Innsbruck als Professor der Zoologie wirkte und auch Dekan der Philosophischen Fakultät war. (English)

Adresse: Prof. Dr. F. Daxecker, Universitäts-Augenklinik, Anichstraße 35, A-6020 Innsbruck

Vortragsprogramm


Peter-Paul Chaudron (Leiden):
Zum Okulisten Joseph Hilmer in den Niederlanden


Im 18. Jahrhundert gab es sehr viele ambulante Heiler unterschiedlicher Art in ganz Europa. Manche Quelle erzählt die Geschichte von Steinschneidern, Quacksalbern und Scharlatanen so, wie man sie allgemein kennt. So gab es zahlreiche Therapeuten, die als Fahrende außerhalb der etablierten Gesellschaft standen, andererseits eben so gut spezialisiert sein konnten wie seßhafte Mediziner. Neben Verkäufern von Pulvern und Pillen gab es also Spezialisten, unter ihnen auch Okulisten. Einer der vielen Okulisten oder Staroperateure war Joseph Hilmer, Hofrat und Professor und „Medicinae Doktor“.

Dieser Joseph Hilmer, Hofaugenarzt Friedrichs des Großen, wanderte durch ganz Europa in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert. In dieser Zeit kam er nachweislich drei Mal in die Niederlande: 1748, 1768 (als er rasch wieder verschwand) und 1770/1771. Grob geschätzt behandelte er bei diesen Aufenthalten innerhalb von fünf Monaten ungefähr dreißig Patienten pro Tag. Manchmal hatte er mehr oder weniger Glück. Zuweilen wurden Patienten völlig blind, wenn sie von ihm behandelt worden waren, und genau diese Fälle sind bekannt.
In Holland waren zwei Instanzen für die Medizinalaufsicht verantwortlich: die Chirurgengilde und das Collegium Medicum. Das letztere kannte man nur in Universitätsstädten wie Leiden, Utrecht und Franeker. Dort ist das meiste Quellenmaterial zu reisenden Operateuren zu finden. Seßhafte Mediziner sahen in Hilmer den Quacksalber, wollten aber selber nicht den Star operieren, weil sie dies nicht so gut konnten wie Okulisten. Hilmer bat ihre Instanzen um Praxiserlaubnis, und oft bekam er sie auch.

Meine Untersuchung spricht nur von Joseph Hilmer in den Niederlanden. Ich meine, daß sein Verhalten dem anderer Okulisten gleicht, wie Rothermel oder Ritter John Taylor. Diese haben damals ebenfalls die Republik besucht.

Adresse: P.-P. Chaudron, F. Houttijnshof, 3 NL-2312 KP Leiden

Vortragsprogramm


Robert Heitz (Haguenau):
Zur Ophthalmoskopie unter Wasser


Am 12. November 1704 präsentierte der Arzt Jean Méry der Französischen Königlichen Akademie der Wissenschaften in Paris seine Beobachtung, daß bei einer unter Wasser getauchten Katze deren Retinagefäße sichtbar wurden. Am 20. März 1709 führte Philippe de La Hire dazu aus, daß dies durch die Aufhebung der kornealen Refraktion bedingt wurde.

Mérys Experiment der Augen-Immersion zum Sichtbarmachen des Fundus wurde wiederholt und später bei menschlichen Augen angewandt: 1845 durch Adolf Kussmaul, 1851 von Johann Nepomuk Czermak für die Konstruktion des Orthoskops und 1891 von Oswald Gerloff für die früheste publizierte gelungene Fotografie des menschlichen Fundus. (English / Francais)

Adresse: Dr. med. Dr. phil. R. Heitz, 22 rue de l’Aqueduc, F-67500 Haguenau

Vortragsprogramm


Aloys Henning (Berlin):
Zum Paradigmenwechsel bei der Staroperation ausgangs des 20. Jahrhunderts


1750 hat Jacques Daviel (1712-1762) den jahrtausendealten Starstich durch die extrakapsuläre Kataraktextraktion ersetzt. Seine Operationstechnologie liegt noch heute der Staroperation zugrunde und ist Voraussetzung für den seit den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts methodisch angewandten Ersatz der getrübten menschlichen Linse durch implantierte Kunststofflinsen. In den jüngsten 90er Jahren haben minimalisierte invasive Operationstechniken am Auge die von Daviel als Methode der Wahl durchgesetzte frontale schneidende Eröffnung des Augapfels abgelöst zugunsten eines schonenderen mehr seitlichen und punktförmigeren Ein dringens, das an den früheren Starstich erinnert. Moderne Technologien lassen den Operateur weniger „aggressiv“ eingreifen, als zu Daviels Zeit notwendig war.

Die archaische Metaphorik des Auges kann diesen Wandel erhellen anhand mythischer Bilder wie der Blendung des Zyklopen Polyphem, Ödipus, der „Blendung“ Papst Leos III. 798 und Bildern Pablo Picassos. Deren rationales Fundament erweisen paläolithische Zeichnungen aus Bilzingsleben vor 350.000 Jahren.

Adresse: Dr. med. A. Henning, Spandauer Straße 104 K, D.-13591 Berlin

Vortragsprogramm


Gerhard Holland (Kiel):
August Classen (1835–1889) – Augenarzt und Philosoph


Julius Hirschberg bezeichnete August Classen als den größten Philosophen unter den Augenärzten des 19. Jahrhunderts. Er wurde in Lübeck geboren, besuchte dort das Katharineum, wo sein Vater Johannes Classen als Professor tätig war. Dieser war ein bekannter Altphilologe und Althistoriker, wurde später Direktor des Gymnasiums in Frankfurt und anschließend des Johanneums in Hamburg. August Classen studierte Medizin in Göttingen, Breslau und Frankfurt und war für drei Monate Schüler von Albrecht von Graefe. 1856 promovierte er in Breslau über das medizinhistorische Thema „De medicis primorum medii aevii seculorum“. Ab 1858 war Classen Arzt in Rostock, anfangs als Assistent unter Professor Strempel, dann als einziger Augenarzt in Mecklenburg, seit 1860 mit einer Augenklinik. 1858 habilitierte er sich mit dem Thema „Untersuchung der Histologie der Hornhaut“. 1872 wechselte er nach Hamburg und erwarb dort die Augenklinik von Schelski. Der wesentliche Grund für den Wechsel war die Einrichtung des ersten Lehrstuhles für Augenheilkunde an der Universität Rostock unter Zehender. Classens wissenschaftliches Interesse galt vor allem der Sinnesphysiologie des Auges und in diesem Zusammenhang der Philosophie von Kant. 1876 erschien seine Abhandlung „Physiologie des Gesichtssinnes zum ersten Mal begründet auf Kant’s Theorie der Erfahrung“. 1886 folgte das Hauptwerk „Über den Einfluß Kant’s auf die Theorie der Sinneswahrnehmung und die Sicherheit ihrer Ergebnisse“. Darüber hinaus engagierte sich Classen auch im öffentlichen Gesundheitswesen, schrieb über Arbeiterwohnungen, die Cholera und veröffentlichte eine Schrift „Das Auge und seine Krankheiten für Gebildete aller Stände“. (English)

Adresse: Prof. Dr. G. Holland, Esmarchstraße 51, D-42105 Kiel

Vortragsprogramm


Gottfried Vesper (Leipzig):
Über die Augenerkrankung des deutschen Malers Ludwig Richter (1803–1916)


Ludwig Richter, ein Maler der Romantik, stellte besonders friedvolle, anmutige Motive aus dem Volksleben und Landschaften dar. Für die Biedermeierzeit war er der „Bildermann für deutsche Art und Sitte“.

Etwa 1858 begann Richters Augenerkrankung, aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um degenerative Netzhautver- änderungen.(English)

Adresse: MR Dr. med. G. Vesper, Harnackstraße 9, D-04317 Leipzig

Vortragsprogramm


Frank Krogmann (Thüngersheim):
Feldmarschall Graf von Radetzky und seine Augenkrankheit

Anfang 1841 litt der k. k. Feldmarschall Graf von Radetzky an einer Augenerkrankung. Die Professoren für Augenheilkunde Friedrich Jäger (Wien) und Franz Flarer (Pavia) wurden aufgrund allerhöchster Entschließung zu Konsiliarien bezüglich der Erkrankung Radetzkys bestimmt. Beide stellten eine unheilbare Krebserkrankung fest. Aber der Stabsarzt Christoph Hartung erreichte innerhalb einiger Monate eine vollständige Heilung mittels der Homöopathie. Dieser Behandlungserfolg führte zu erheblichen Kontroversen über den Nutzen der Homöopathie und erregte zugleich große Aufmerksamkeit. Hartung erhielt dafür, insbesondere aus dem Patientenkreis, höchste Anerkennung. (English)

Adresse: F. Krogmann, Kirchgasse 6, D-97291 Thüngersheim

Vortragsprogramm



Gregor Wollensak (Dresden):

Herzog Carl Theodors „Tausend Staaroperationen“

Herzog Carl Theodor von Bayern (1839–1909), ein Bruder von Kaiserin Elisabeth (Sissi) und Vetter von König Ludwig II., wirkte als Augenarzt in Tegernsee, Meran und zuletzt München, wo er 1895 eine private Augenklinik gründete. Herzog Carl Theodor hat in seinem Leben an die 6000 Kataraktoperationen durchgeführt.

1895 veröffentlichte sein langjähriger Assistenzarzt Dr. Heinrich Zenker die Arbeit „Tausend Staaroperationen“, in welchem er minutiös über die Ergebnisse von 1000 durch Herzog Carl Theodor eigenhändig zwischen 1889 und 1893 durchgeführten Kararaktoperationen berichtete. Die Staroperation wurde als sogenannte kombi-nierte Extraktion mittels Graefe-Messer mit oberem Lappenschnitt, oberer Iridektomie, Eröffnen der Linsenvorderkapsel mit Pinzette und Entbinden des Kerns mit dem Kautschuklöffel als extrakapsuläre Kataraktextraktion durch geführt und dauerte ca. 10–12 Minuten. Die Vorderkammer war im Durchschnitt nach 10 Tagen stabil. Vollnarkose wurde in 47 Patienten angewandt, bei den übrigen lokale Betäubung mit Kokaintropfen. Bei 68 Augen war der erzielte Endvisus 1,0. In 952 Fällen fand sich ein Visus über 0,16. Die erzielte Durchschnittssehschärfe betrug 0,6.

An Komplikationen trat bei 5,7% Nachstar, in 4,6% Vorderkammerreizzustand, in 1,3% Netz hautablösung, in 0,6% Endophthalmitis auf. Die durchschnittliche postoperative Behandlungs dauer betrug 16 Tage. Insgesamt ist die Zahl der Komplikationen erstaunlich gering und be zeugt, daß auch schon Ende des 19. Jahrhunderts trotz Fehlens von Cortison, Antibiotika und geeignetem Nahtmaterial die Kataraktextraktion routinemäßig und mit gutem Erfolg durch geführt wurde.

Adresse: PD Dr. med. G. Wollensak, Augenklinik des Klinikums Carl Gustav Carus der TU Dresden, Fetscherstraße 74, D-01307 Dresden

Vortragsprogramm


Jutta Herde (Halle):
Die Ophthalmologen Rudolf und Otto Schirmer


Rudolf Schirmer (10.3.1831 bis 27.1.1896), Sohn des Konsistorialrats Professor A. Schirmer, absolvierte nach dem Gymnasium in Greifswald und Schulpforta das Studium der Medizin in Göttingen und Greifswald. Studienreisen führten ihn nach Wien, Paris und Berlin, wo er sich 1860 habilitierte. Danach begründete er den augenärztlichen Unterricht an der Universität Greifswald. Nach jahrelanger notdürftiger Versorgung von Augenpatienten, zunächst seit 1871 in drei Zimmern der chirurgischen Klinik, ab 1873 mit 14 und später 20 Betten wurde unter seiner Leitung 1887 die neuerbaute Augenklinik eröffnet, der er bis 1893 vorstand. R. Schirmer starb am 27.1.1896 an Influenza-Pneumonie. Die Etablierung der Augenheilkunde als selbständiges Fach, die praktische Tätigkeit, Arbeiten über Refraktions- und Akkommodationsanomalien sowie über Erkrankungen der Tränenorgane u.a. zählen zu seinen großen Leistungen.

Sein Sohn Otto Schirmer (13.12.1864 bis 6.5.1917) übernahm 1893 wegen zunehmender myopiebedingter Sehminderung seines Vaters das Lehramt. Otto Schirmer hatte nach dem Studium der Medizin in München, Freiburg und Greifswald die augenärztliche Ausbildung zunächst bei seinem Vater in Greifswald, dann bei Rothmund in München und abschliend bei Leber in Göttingen erfahren. Nach der Habilitation 1889 in Göttingen war er von 1891 bis 1892 in Königsberg tätig. 1892 folgte er seinem Lehrmeister A. v. Hippel nach Halle, wechselte aber 1893 an die Augenklinik Greifswald, wo er 1896 den Lehrstuhl für Ophthalmologie übernahm. 1907 folgte O. Schirmer dem Ruf als Ordinarius nach Kiel und kurz darauf nach Straßburg. 1909 emigrierte O. Schirmer wegen eines tragischen Sturzes nach New York. Eine weitere wissenschaftliche Entwicklung blieb ihm in Amerika versagt. Er starb am 6.5.1917 in Brooklyn New York. Seine bedeutendsten Arbeiten „Studien zur Physiologie und Pathologie der Tränenabsonderung und Tränenabfuhr“ und „Sympathische Augenerkrankungen“ datieren aus der Greifswalder Zeit. Der auf ihn zurückgehende Schirmer-Test hatte jedoch Vorläufer. (English)

Adresse: Prof. Dr. J. Herde, Augenklinik der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Magdeburger Straße 8, D-06112 Halle

Vortragsprogramm


Dieter Schmidt (Freiburg):
Carl Wilhelm von Zehender, der „Vater der Mikrochirurgie“ (1819-1916)


Carl Wilhelm von Zehender wurde am 21.5.1819 in Bremen geboren, aus einer alten Berner Patrizierfamilie stammend. Er studierte in München, Jena, Kiel und Göttingen Medizin. Nach der Promotion 1845 in Göttingen praktizierte er als Arzt bis 1848 in Göttingen. Für das Fach Augenheilkunde wurde er in Paris, Prag und Wien ausgebildet. Als Assistenzarzt war er bei Professor Friedrich Jäger (Wien), später bei Albrecht von Graefe (Berlin) tätig. 1856 wurde er Medizinalrat, als Mitglied des Medizinalkollegiums in Neustrelitz. 1862 wurde er an die Universität Bern (Lehrstuhl für Augenheilkunde) und 1866 auf den Lehrstuhl nach Rostock berufen. Als Ordinarius für Augenheilkunde in Rostock blieb er bis 1889. 1888 wurde er in den Adelsstand erhoben.
Er begann erstmals mit mikroskopischer Vergrößerung zu operieren, nachdem er zusammen mit dem Hofmechaniker Heinrich Westien eine zehnfach vergrößernde „Binokulare Cornea lupe“ entwickelt hatte, über die er 1887 erstmals berichtete.

Er begründete und redigierte die Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde (1863 bis 1899), außerdem die Berichte der Ophthalmologischen Gesellschaft Heidelberg (1862 bis 1895), zu deren Gründern er ebenfalls gehörte. Er war Teilnehmer bedeutender Internationaler Kongresse, vor allem in Paris (1867), London (1872), Edinburgh (1894).

Seine zahlreichen Publikationen befaßten sich vorwiegend mit Optik und Refraktion des Auges, klinischen Themen, Konstruktion bzw. Verbesserung von Instrumenten und Untersuchungs geräten, mit Unfall-Versicherungs-Fragen und mit der Entwicklung der Augenkliniken in Deutschland.
Er starb am 19.12.1916, im Alter von 97 Jahren. (English)

Adresse: Prof. Dr. D. Schmidt, Universitäts-Augenklinik Freiburg, Kilianstraße 5, D-79106 Freiburg

Vortragsprogramm


Hans Remky (München):
Richard Heinrich Deutschmann (1852–1935), Theorien und operative Behandlung der Netzhautablösung

Deutschmann, als Schüler von Theodor Leber fachlicher Enkel von Albrecht von Graefe, war von 1887 an in Hamburg tätig. Zuvor hatte er in Göttingen Studien der sympathischen Ophthalmie vorgenommen, die 1889 durch Verleihung des Graefe-Preises gewürdigt wurden. 1893 gründete er mit E. Fuchs, Haab und Vossius die international angesehene Reihe Beiträge zur Augenheilkunde.

In Hamburg wurde die operative Behandlung der Netzhautablösung sein Haupt-Arbeitsgebiet: 1890 Durchschneidung von Glaskörpersträngen und von geschrumpften Netzhäuten, 1894 Glaskörperersatz durch präparierten tierischen Glaskörper, 1933 die Kryopexie. Gonins Theorie der Bedeutung von Netzhautrissen hat er nie vollständig anerkannt. Die Reihe seiner Publikationen über Netzhautablösung endete erst in seinem Todesjahr. (English)

Adresse: Prof. Dr. H. Remky, Arabellastraße 5–9, D-81925 München

Vortragsprogramm


Hans F. Piper (Lübeck):
Außenseitervorschläge zur Schieloperation


Außenseitervorschläge zur Schieloperation zielten quantitativ auf gewebeschonendes Vorgehen, qualitativ auf das Erreichen einer annähernd vollkommenen Beidäugigkeit. Oft hielten sie nicht, was sie versprachen, oft paßten sie auch nicht in den Entwicklungsstand der Zeit.

Vorgeschlagen wurden u. a. passive Muskeldehnung, Muskelneubefestigung, ansatzerhaltende Korrekturen, Bindehautschonung, „Neurotisation“, Einsatz von Mikroskop und Laser. Auch Vorschläge, die sich nicht einführen ließen, dienten dennoch dem Fortschritt.
(English)

Adresse: Prof. Dr. H.-F. Piper, Im Brandenbaumer Feld 32, D-23564 Lübeck

Vortragsprogramm


Daniel Hirsch-Kauffmann Jokl (New York):
Hirschberg, Deutschland und Japan – der Ursprung einer außerordentlichen Beziehung


Die Details der Übereignung der Bibliothek von Julius Hirschberg an Professor Komoto und schließlich an die Universität Tokyo haben Nakajima und Sasaki ausführlich dargestellt (Documenta Ophthalmologica, History of Ophthalmology 5 (1992) 103–10).

Weniger bekannt sind die Ursprünge der Beziehung zwischen Hirschberg und Japan, die von seinem Besuch des Landes 1892 herrühren. Seit der Liberalisierung des japanischen Handels mit dem Westen 1868 haben deutsche Professoren zur Modernisierung der japanischen Medizin beigetragen nach dem Muster Deutschlands – seinerzeit weltweit herausragend in Medizin und Wissenschaft. Professor Komoto, der als erster japanischer Ophthalmologe bei Hirschberg in Japan und in Deutschland gelernt hat, vergaß die ihm und und seinem Land zuteil gewordene Ehre niemals. Seine Bemühungen, Hirschbergs Bibliothek für Japan zu erhalten, ist im Sinne der traditionellen Verehrung zu sehen, die Japaner für ihre Lehrer empfinden – inspirieren. (English)

Adresse: Prof. D. Hirsch-Kauffmann Jokl, M.D., New York

Vortragsprogramm


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