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XII. Zusammenkunft der Julius-Hirschberg-Gesellschaft
2.-3. Oktober 1998 Innsbruck

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Aloys Henning (Berlin):
Zur Kosmosvision Hildegards von Bingen in "Scivias"


HILDEGARDS VON BINGEN (1098-1179) Vision des eiförmigen Kosmos in "Scivias", bekannt als Buchmalerei von 1165, steht in einer ikonographischen Tradition, die wenigstens von der Blendung des Zyklopen Polyphem im neunten Gesang der Odyssee bis zu PABLO PICASSOs vertikalen Augen in Bildern DORA MAARS (1907-1997) reicht. Im 12. Jahrhundert korrespondiert sie mit den Christus in der Mandorla-Darstellungen an Westgiebeln von Kirchen, vor allem in Burgund und in Südfrankreich und auch im Naumburger Dom, darüber hinaus mit russischen Uspenie-Ikonen (Mariä Aufnahme in den Himmel), deren Ikonographie sich ebenso im Schwesternchor des Zisterzienserinnenklosters Wienhausen bei Celle findet. HILDEGARD "sieht" die Inkarnation Gottes, ohne daß Christus bildhaft erscheint. Ihr visionäres Bild ist modernerü, d.h. es entspricht besser den neutestamentlichen Evangelien, als der häufig von den Symbolen der Evangelisten umgebene romanische Christus-König in der Mandorla, weil königliche Herrschaft ursprünglich von vorjüdischen Muttergottheiten hergeleitet ist. Darauf weist die Vierzahl der Evangelisten-Symbole als Mondzahl wie auch deren Symboltiere Rind, Löwe, Greifvogel als ursprüngliche Attribute mesopotamischer Mondgöttinnen (das Engelssymbol für Matthäus hängt womöglich direkt von sumerischen geflügelten Inanna-Darstellungen ab). Der Mondbezug ist für den Mittelmeerraum als durchgehende Chiffre von der Schriftentstehung in Uruk um 3300 v. Chr. bis zur Gegenwart sichtbar, u.a. in dem liturgischen Rhythmusinstrument "Sanasil" (Sistrum - Isisklapper) für den Gottesdienst der äthiopischen Kirche. HILDEGARDs Vision von der Inkarnation als kosmische Theophanie fußt auf Erfahrungen weiblicher Sexualität, wie Scivias-Texte ausweisen. Deren göttliche Kreativität wendet sie ausdrücklich gegen die Diskriminierung von Frauen in ihrer Zeit im "hellsichtigen" Wissen, daß sie notwendig zur Inkarnation gehört.

Adresse: Dr. A. Henning, Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin, Arbeitsbereich Geschichte und Kultur, Garystr. 55. D-14195 Berlin



Gerhard Keerl (Düsseldorf):
Johann von Luxemburg, ein blinder König


Als Graf JOHANN wurde er um 1295 in Luxemburg in einer turbulenten Zeit geboren, als der "blinde König" fiel er an der Somme. Sein Vater wurde als HEINRICH VII. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, nachdem sein Vorgänger ALBRECHT I. nach langjährigen Intrigen zwischen Fürsten und Papst 1308 ermordet worden war.
Die Individualgeschichte JOHANNS stellt sich, Anteilnahme erweckend, als besonders interessant dar. Zwar nie selbst Kaiser wie später sein Sohn als KARL IV. bekam er jedoch mit 15 Jahren durch die Heirat der Przemislidentochter ELISABETH die Königswürde Böhmens.
In einem komplizierten Umfeld entwickelte er sich zu einer in der europäischen Politik maßgebenden Persönlichkeit. Er hatte das Unglück innerhalb von zwei Jahren auf beiden Augen vollständig zu erblinden. Seine Therapeuten, einer erlitt ein makabres Schicksal, sind bekannt. Die Diagnose kann nur aus wenigen überlieferten Symptomen abgeleitet werden. Auch nach seiner Erblindung führte er die Staatsgeschäfte tatkräftig für die ihm verbliebenen sechs Jahre weiter. Als Blinder kam er im Kampf gegen die Engländer bei Crecy um.

Adresse: Dr. Gerhard Keerl, Droste Hülshoffstr. 2, D-40474 Düsseldorf



Robert A. Crone (Amsterdam):
Die Vorgeschichte der trichromatischen Theorie


Noch vor dem 16. Jahrhundert fand, durch die Entwicklung der Leinölmalerei, der ?bergang statt von der klassischen Vierfarbenlehre zur Dreifarbenlehre. Gelehrte des 17. Jahrhunderts haben sich für drei primäre Farben ausgesprochen (AGUILONIS, GRIMALDI, BOYLE). Eine weitere Ausareitung erforderte die Leugnung der NEWTONschen Lehre (MARIOTTE). Das 18. Jahrhundert brachte den Dreifarbendruck (LE BLON), Farbendreiecke (MAYER, LAMBERT) und erste Versuche einer trichromatischen Theorie des farbensehens (LOMONOSOV, PALMER, WüNSCH). Erst YOUNG entwarf eine Theorie, die mit NEWTONS Lehre vereinigbar war.

Adresse: Prof. Dr. R. A.Crone, Reguliersgracht 1, NL-1017 LJ Amsterdam


Rene Bernoulli (Basel):
Über Milbenbefall des Conjunctivalsackes im 16. Jahrhundert


In einem 1585 in erschienenen opthtalmologischen Werk entdeckte meine Frau einen am Schluss des Buches eingeklebten Brief, in dem von "cirons", d. h. von Milben, die Rede ist., die den menschlichen Conjunctivalsack befielen. Die Enfernung wurde durch eine ortsanwesende geschickte Frau mit Erfolg durchgeführt. - Einen Milbenbefall des Auges konnte ich in der ophthalmologischen Literatur bis jetzt nicht finden.

Adresse: Dr. med. et phil. Rene Bernoulli, Amselstrasse 35, CH-4059 Basel


Hans Remky (München):
Galvanische Lichterscheinungen


1792 hat VOLTA als erster die Wirkung der von GALVANI entdeckten "tierischen"Elektrizität auf (menschliche) Sinnesorgane untersucht; als er dabei auf einen Augapfel ein Stanniolblatt legte und in den Mund eine Münze oder einen Läffel aus Silber nahm, löste die Berührung beider Metalle eine Lichterscheinung aus. Von 1793 an sind derartige Verusche mit einfachen Ketten (zwei verschiedne Metalle) in England (FOWLER, HUNTER, RUTHERFORD) und in Deutschland (PFAFF, A. VON HUMBOLDT, RITTER) wiederholt und modifiziert worden.
Wesentlich höhere Strom-Spannungen und -Stärken als einfache Ketten lieferte daa 1800 erfundene Säulenelement, das schon 1801/02 zur Augapfeldurchströmung verwendet wurde; bei diesen Versuchen entstanden nicht nur Lichterscheinungen, sondern auch Farbempfindungen, deren Qualität von der Stromrichtung abhängt. PURKINJE (1825) und RUETE (1854) verdanken wir schöne farbige Darstellungen. 1819 hatte PURKINJE auch farbige Lichterscheinungen im Bereich des blinden Fleckes beschrieben, die später nur von wenigen Autoren (z.B. A. BRÜCKNER) erwähnt und weiter untersucht worden sind.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten des 20. Jahrhunderts ist der Einfluß des Adaptationszustandes auf galvanische Lichterscheinungen, deren Beeinflußbarkeit durch Deformationsphosphene sowie die Wirkung der Augapfeldurchströmung auf Farbempfindungen vielfach untersucht worden, um neue Erkenntnisse des Sehvorganges zu gewinnen.

Adresse: Prof. Dr. H. Remky, Augenklinik Remky, Arabellastr. 5, D-81925 München


Frank Krogmann (Thüngersheim):
1733 - 1998: Die Errichtung der ersten Lehrkanzel für Augenheilkunde an der Universität Wien vor 225 Jahren und ihr Inhaber Joseph Barth


Die österreichische, speziell die Wiener, Ophthalmologie kann 1998 auf ein denkwürdiges Ereignis zurückblicken: Vor 225 Jahren, mit allerhöchster Entschließung Kaiserin MARIA THERESIAS, wurde die erste Lehrkanzel für Augenheilkunde in Wien kreiert. In dieser Einrichtung wird noch der Einfluß VAN SWIETENS deutlich, Schüler des großen BOERHAAVE in Leiden, der schon einen eigenständigen Unterricht über Augenkrankheiten abhielt. VAN SWIETEN war bekanntlich Leibarzt der Kaiserin und in seiner Eigenschaft als Protomedicus der Erblande auch Chef des gesamten Sanitätswesens. Inhaber dieser neuen Lehrkanzzel wurde JOSEPH BARTH, geb. 1745 auf Malta. BARTH hatte auf Malta seine Ausbildung begonnen, in Rom Medizin studiert und kam durch einen Kommandeur des Malteserordens nach Wien. Er unterhielt in Wien eine hervorragend laufende Privatpraxis, aber auch unentgeltliche Armenordinationen. Sein berühmtester Patient dürfte JOSEPH II. gewesen sein, der ihn zu seinem Leibaugenarzt ernannte. Neben seiner medizinischen Tätigkeit beschäftigte sich Barth mit Kunst und antiken Studien, hier wurde er besonders durch die Auffindung des Torsos des ILIONEUS berühmt. Er galt als eine der kuriosesten Erscheinungen der Wiener Gesellschaft; über ihn sind manche Anekdoten überliefert. Die Anzahl der von Barth ausgebildeten, später wirksam tätigen, Augenärzte war sehr gering. Medizinische Abhandlungen sind aus den Jahren 1786 (Anfangsgründe der Muskellehre) und 1797 (Staroperatioen) überliefert. Sein ehemaliger Zeichner GEORG JOSEPH BEER begründete 1812 als a.o. Professor den Ruhm Wiens als Musterstätte der modernen europäischen Ophthalmologie.

Adresse: Frank Krogmann, Kirchgasse 6, D-97291 Thüngersheim


Jutta Herde (Halle):
Über die Entwicklung von zwei chirurgisch-ophthalmologischen Kliniken in Halle im 19. Jahrhundert


Bei Gründung der Friedrichs-Universität zu Halle im Jahre 1694 gab es für deren medizinische Fakulät weder klinische oder ambulante Einrichtungen, noch Unterrichts- oder Demonstrationsräume. Vorlesungen wie anatomische und klinische Demonstrationen fanden bei anfänglich geringen Studentenzahlen entweder in städtischen Gebäuden oder in Professoren-Wohnungen statt. Die erste ambulante und klinische Anstalt wurde nicht von der Universität geschaffen, sondern im praxisorientierten Geist des Pietismus von AUGUST HERMANN FRANCKE im Bereich seines Waisenhauses ("Franckesche Stiftungen"). Hier richtete JOHANNES JUNCKER (1679-1759) 1717 das Collegium clinicum Halense ein zur praxisbezogenen Ausbildung hallescher Medizinstudenten analog dem Leidener Vorbild BOERHAAVES. Der Ambulanz des Waisenhauses, die den Bedürfnissen der Armen offenstand, wurde 1721 ein zweckmäßiges Krankenhaus zugesellt. Nach JUNCKERS Tod 1759 setzte sein Sohn die Lehrtätigkeit fort. Der hallesche Magistrat errichtete in Waisenhausnähe als zweite klinische Anstalt Halles ein Lazarett, das 1787 mit städtischer finanzieller Unterstützung der Universität als Klinikum diente, geleitet von JOHANNES FRIEDRICH GOLDHAGEN (1742-1788), nach 1788 von JOHANN CHRISTIAN REIL (1759-1813). Erst 1808 erhielt REIL von der westfälischen Regierung das alte reformierte Gymnasium als medizinische Universitätsklinik zugewiesen. 1788 wurde im Residenzgebäude in Domnähe das chirurgische Klinikum unter dem Anatomen und Chirurgen JOHANN FRIEDRICH MECKEL (1781-1833) eröffnet.
1811 wurde CARL HEINRICH DZONDI (1770-1835) von der westfälischen Regierung als Ordinarius für Chirurgie und Augenheilkunde nach Halle berufen. Der im gleichen Gebäude tätige MECKEL bekämpfte DZONDI, bis diesen 1817 CARL AUGUST WEINHOLD (1782-1829) als Ordinarius verdrängte. DZONDI, der weiterhin Fakultätsmitglied blieb, richtete sich im gleichen Jahr 1817 im Residenzgebäude eine chirurgisch-ophthalmologische Privatklinik ein, die ständig mit der universitären WEINHOLDS konkurrierte. Der nach WEINHOLDS Tod 1830 berufene CARL WILHELM WUTZER (1798-1863) konnte den schwelenden Streit an der chirurgischen Universitätsklinik nicht beilegen, weil Wutzer bereits nach einem Jahr in Halle einem Ruf nach Bonn folgte. Erst unter ERNST BLASIUS (1802-1875) brachte die Erweiterung der halleschen Chirurgisch-Ophthalmologischen Klinik in der Residenz und ihre Vereinigung mit der Krukenbergschen Medizinischen Klinik einen neuen Aufschwung.

Adresse: Prof. Dr. J. Herde, Augenklinik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Magdeburger Str. 8, D-06097 Halle


Gerhard Holland (Kiel):
Traugott Wilhelm Benedict, Professor für Chirurgie und Augenheilkunde in Breslau


BENEDICT (1785-1862), der nach dem Studium der Medizin in Leipzig und einem kurzen Aufenthalt in Wien von 1809-1812 als praktischer Arzt und Augenarzt in Chemnitz tätig war, wurde 1812 im Alter von 27 Jahren als ordentlicher Professor für Chirurgie an die 1811 gegründete Universität von Breslau berufen und vertrat in dieser Eigenschaft auch die Augenheilkunde. Ausschlaggebned für seine Berufung war offensichtlich sein 1811 in lateinischer Sprache erschienenes Lehrbuch "De morbis oculi humani inflammatoriis", das von BEER, dessen Vorlesung BENEDICT 1808 in Wien gehört hatte, als Plagiat bezeichnet wurde. Benedict blieb bis 1856 m Amt, war u. a. Rector der Universität und galt als eine originelle und geistreiche Persönlichkeit. War er mehr Chirurg oder mehr Augenarzt? Schwerpunkt seiner recht umfangreichenTätigkeit war jedenfalls die Augenheilkunde. Neben dem schon genannten Lehrbuch, das 1814 auch in deutscher Sprache erschien, sind besonders zu nennen: das fünfbändige Handbuch derAugenheilkunde, die Monographie über den grauen Star und als letztes Werk seine Abh andlungen aus dem Gebiete der Augenheilkunde in zwei Bänden von 1842. Auf die genanntenLehrbücher, BENEDICTS Disput mit BEER, seine Tätigkeit als Arzt und Hochschullehrer wird näher eingegangen.

Adresse: Prof. Dr. Gerhard Holland, Esmarchstr. 51, D-24105 Kiel


Sabine Fahrenbach, Leipzig:
Die ersten Jahre der "Heilanstalt für arme Augenkranke" in Leipzig (1820-1864)


1820 begründete FRIEDRICH PHILIPP RITTERICH (1782-1866) in Leipzig ein "Heilanstalt für arme Augenkranke". RITTERICH hatte in Jeana und Leipzig Medizin studiert. Eine Bildungsreise nach Wien befähigten ihn durch eine Ausbildung bei GEORG JOSEPH BEER (1763-1821) und JOHANN ADAM SCHMIDT (1759-1809), sich der Augenheilkunde zuzuwenden. Seit 1810 arbeitete er in Leipzig als Augenarzt. Seine Intentionen zur Schaffung der Heilanstalt waren durchaus auch sozialer Natur. Die nötigen Mittel wurden durch Spenden bereitgestellt. Mit zunächst vier, dann sechs Betten ausgestattet, entwickelte sich die Heilanstalt rasch zu einer gefragten Einrichtung, und bald wurden Erweiterungen und Umzüge nötig. Der 1823 gegründete "Verein zur Erhaltung der Heilanstalt für arme Augenkranke" lenkte das Schicksal dieses Unternehmens. Sein Statut legte dazu alle erforderlichen Schritte fest. Neben der Versorgung der Patienten diente die Anstalt auch der Ausbildung der Leipziger Medizinstudenten, ohne indes der Universität zuzugehören. Die erhalten gebliebenen Berichte, die seit der Gründung der Heilanstalt vorliegen, ermöglichen einen Blick in die praktische Tätigkeit von Ophthalmologen in den frühen Jahren des 19. Jahrhunderts und sollen für die Zeit von 1820 bis 1835 ausgewertet und vorgestellt werden.

Adresse: Dr. Sabine Fahrenbach, Mockauer Str. 122/0105, D-04357 Leipzig


Hans-Felix Piper (Lübeck):
Peter Ludwig Panums sinnesphysiologische Arbeiten aus seinen Kieler Jahren 1853-1864


1858 erschien die Monographie: Physiologische Untersuchungen über das Sehen mit zwei Augen. An die Stelle der absoluten Identität korrespondierender Netzhautpunkte sollte der Begriff korrespondierende Empfindungskreise treten. Ihm wurde widersprochen, besonders von A. W. VOLKMANN aus Halle, der alle "stereoskopischen Escheinungen" psychologisch erklären wollte: Arch. Ophthalmol. 1859. Mit zahlreichen Experimenten verteidigten beide Autoren ihre Auffasung. Die Darstellung PANUMS: ?ber einheitliche Verschmelzung verschiedenartiger Netzhauteindrücke beim Sehen mit zwei Augen, Arch. Anatomie 1861, besitzt noch heute Gültigkeit.

Adresse: Prof. Dr. Hans F. Piper, Im Brandenbaumer Feld 32, D-23564 Lübeck


Manfred Tost (Halle):
Ordinariatswechsel in Halle: A. v. Hippel (1841-1916) - H. Schmidt-Rimpler (1838-1915)


Umbesetzungen von Ordinariaten gehören zu durchaus üblichen akademischen Gepflogenheiten. Das Ausscheiden eines Amtsträgers wegen Erreichen der Altersgrenze oder wegen Krankheit oder Tod sind die allgemeinen Ursachen. Abreden noch aktiver Ordinarien aus anderen Bewegründen sind - wenn auch mit ministerieller Billigung - eher ungewöhnlich. Nach kurzer Zusammenfassung der Curricula wird über die Tätigkeit der Professoren ARTHUR VON HIPPEL (1841-1916) und HERMANN SCHMIDT-RIMPLER (1838-1915) an der Augenklinik der Vereinigten Friedrichs-Universität Halle-Wittenberg berichtet. In Sonderheit wird versucht, die Hintergründe des unerwarteten Ordinariatswechels - Umberufung von A. V. HIPPEL von Halle nach Göttigen bzw. von H. SCHMIDT-RIMPLER von Göttingen nach Halle - zu erhellen.

Adresse: Prof. Dr. M. Tost, Semmelweis-Str. 11, D-06120 Halle/Saale


Dieter Schmidt (Freiburg):
Julius Wilhelm Leberecht Mannhardt (1834-1893), ein viel gereister Ophthalmologe des vergangenen Jahrhunderts


MANNHARDT, in Hanerau (Holstein) geboren, studierte in Heidelberg, Göttingen, Würzburg und Kiel, lernte Augenheilkunde bei A. VON GRAEFE (Berlin) und bei SNELLEN und DONDERS (Utrecht). Zunächst war er augenärztlich in Altona und Hamburg, von 1867 bis 1869 in Konstantinopel und bis 1878 in Florenz, 1887 in Neapel, zuletzt in Lübeck tätig. Mit folgenden Themen befaßten sich seine Publikationen:
1858 teilte er seine anatomischen Studien über den Ziliarmuskel mit. Er erklärte, daß die Akkomodation zur Formänderung der Linse - "durch Spannungs- und Richtungsveränderung der Zonula Zinnii" - führt. 1864 berichtet er über die erfolgreiche Extraktion "unreifer Cataracte". Durch Punktion der Linsenkapsel mehrere Tage vor der Operation trat eine Quellung des Linsengewebes ein, was die Operation erleichterte. 1865 stelle er das zyklische Einwärtsschielen eines Kindes fest. Nach Ausgleich der Hypermetropie durch eine Brille wurde kein Strabismus mehr festgestellt.
1868 veröffentlichte er seine Behandlungserfolge bei Trachom und Pterygium. Er wies auf die Erfahrung bei "mehreren Tausend Trachom-Kranken" in Konstantinopel und auf die Bedeutung der hygienischen Bedingungen in der Behandlung hin. 1869 und 1871 berichtete er über seine Studien zur muskulären Asthenopie bei Myopie und betonte, daß die Akkomodation entscheidend sei bei der Myopie-Entstehung, vor allem der "Schulmyopie".
1887 äußerte er sich über die Entstehung der "senilen Myopie", indem er eine "Strukturveränderung der Linsensubstanz" als Ursache des erhöhten "Refractionsvermögens" herausstellte.

Adresse: Prof. Dr. Dieter Schmidt, Univ.-Augenklinik, Killianstr. 5, D-79106


Jens Martin Rohrbach, Torsten Schlote, Hans-Jürgen Thiel (Tübingen):
Wolfgang Stock und seine histopathologische Samlung unter besonderer Berücksichtigung der Glaukom-Präparate


Der Württemberger WOLFGANG STOCK (1874-1956) war nach ALBRECHT EDUARD NAGEL (1833-1895) und GUSTAV SCHLEICH (1851-1928) der dritte Ordinarius für Augenheilkunde in Tübingen. Er vertrat dieses Amt von 1921 bis 1952, nachdem er zuvor von 1910 an den Lehrstuhl in Jena bekleidet hatte. STOCK war nicht nur als Augenarzt weithin angesehen. Er war auch kommunalpolitisch aktiv, und zahlreiche, zumeist heitere Ankedoten ranken sich noch heute um ihn. Wissenschaftlich bearbeitete er optische und bakteriologische Fragestellungen. Es war aber ganz eindeutig die ophthalmologische Histopathologie, die ihm am Herzen lag. Und so war es nur folgerichtig, daß er eine unfangreiche, mehrere tausend Schnitte umfassende Sammlung histopathologischer Schnitte anlegte, welche auch die Grundlage für sein 1939 erschienenes Werk "Pathologische Anatomie de Auges" bildeten. Die "Sammlung STOCK" ist thematisch, überwiegend nach der betroffenen Struktur, gegliedert. Sie gibt Aufschluß über den Wissensstand und die Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Augenerkrankungen in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts und läßt damit auch die seitdem erreichten Fortschritte deutlich werden. So demonstriert die (exemplarisch durchgeführte) Untersuchung von enukleirten Glaukomaugen aus der "Sammlung STOCK" und der Vergleich mit heutigen "Glaukom-Enukleationen" eindrucksvoll, daß besonders die Offenwinkelglaukome in den letzten 50 Jahren einer erheblich effektiveren Therapie zugänglich gemacht werden konnten, während heutzutage vor allem die sekundären Winkelblockglaukome therapeutische Probleme aufwerfen.
Neben dem ophthalmologischen Routine-Archiv, welches inTübingen bis in das Jahr 1867 zurückreicht, bietet demnach und vielleicht in erster Linie die "Sammlung STOCK" die Möglichkeit des "ophthalmopathologischen Rückblicks" und die Beschäftigung mit Bedunden, die in unserer Zeit aufgrund des Wandels in der Medizin zur absoluten Seltenheit geworden sind. Man denke dabei z.B. an tuberkulöse Entzündungen, chirurgisch unbehandelte Verletzungen, intrakapsulär extrahierte Linsen bei unterschiedlichen Kataraktformen, oder sehr weit fortgeschrittene Tumoren. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist trotz zunehmender finanzieller Engpässe unbedingt auf die würdige Erhaltung der schon einmal vom Untergang bedrohten, nahezu einzigartigen "Sammlung STOCK" zu drängen.

Adresse: PD Dr. med. Jens Martin Rohrbach, Universitäts-Augenklinik, Abt. 1, Schleichstr. 12, D-72076 Tübingen


Corinna Hendriock, Jörg Draeger (Hamburg):
Frühe Entwicklungen in der Mikrochirurgie


Bereits sehr früh hat mit den ersten Starstichopertionen die "Mikrochirurgie" begonnen. Umd ie frühen Instrumente optimal einzusetzen, entstanden die ersten Lupenbrillen schon 1886 als binokulares Instrument und später Mikroskope, die für die Augen- und Ohren-"Mikrochirurgie" verwendet wurden.
Nach zögerndem Beginn gab es eine rasante von den verschiedensten Ansätzen in verschiedenen Ländern ganz unterschiedlich geprägte Entwicklung. Beginnend vom einfachen Mikroskop bis zum komplexen kombinierten ferngesteuerten System wird die technische Entwicklung, sowie die chirurgische Anwendung nachgezeichnet.

Adressen: cand. med. Corinna Hendriock, Christian-Förster-Straße 29, D-20253 Hamburg Prof. Dr. Jörg Draeger, Univ.-Augenklinik, Martinistr. 52, D-20251 Hamburg;


F. Daxecker (Innsbruck):
Prof. Herbert Schober - ein allen Ophthalmologen bekannter Tiroler


Allen angehenden Ophthalmologen im westösterreichischen und süddeutschen Raum ist der "Schober-Kurs" bekannt. Begrüdent wurde dieser Kurs vom früheren Vorstand des Instituts für Medizinische Optik in München, Prof. HERBERT SCHOBER. Er wurde am 14. März 1905 in Innsbruck geboren und stammte aus einer Haller Familie. Als Physiker wurde er nach Studien in Wien und Prag 1928 promoviert und als Arzt 1950 in Hamburg mit dem Dissertationsthema "Physiologisch-optische Betrachtungen über die Möglichkeit einer stereoskopischen Röntgendurchleuchtung", die Approbation erlangte er 1949; seinh Habilitationsthema (1933, TH Wien) war "Die Spektren des Rheniums". Sein beruflicher Werdegang: von 1949 bis 1954 war er Leiter der physikalischen Abteilung im Tbc-Forschungsinstitut Borstel, von 1955 bis 1956 apl. Professor für Medizinische Physik an der Universität Hamburg, ab Jänner 1957 o. Professor und Vorstand des Instituts für Medizinische Optik an der Universität München; er starb am 15. Juli 1975 und liegt im Friedhof von Heiligkreuz bei Hall begraben. Er publizierte in den Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde, in Röntgenblättern und in physikalisch-lichttechnischen Zeitschriften über Gesichtsfeld, Refraktionsverfahren, Beleuchtung, Geometrie des Röntgenbildes, Kontrast und Schärfe, "Das Sehen" und "Fotografie und Kinematografie in der Wissenschaft".

Adresse: Prof. Dr. F. Daxecker, Univ.-Klinik für Augenheilkunde und Optometrie, Anichstrasse 35, A-6020 Innsbrucks


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